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Elektromobilität IW-Nachricht 2. Mai 2010

Nicht in Euphorie verfallen

Seit einiger Zeit ist das Elektroauto aus einem gut 100-jährigen Dornröschenschlaf erwacht. Der Weg zum marktfähigen Produkt ist aber noch weit, und die Folgen für den Industriestandort D sind kaum absehbar. Ohne Förderung werden Elektroautos noch lange Exoten bleiben, aber die wirkliche Aufgabe für die Politik besteht heute darin, die nationalen Forschungsbemühungen zu unterstützen und auf internationaler Ebene auf faire Rahmenbedingungen und Standards zu drängen, damit ein Subventionswettlauf vermieden wird.

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Am 1. Januar 2010 waren in Deutschland 41,74 Millionen Pkw zugelassen. Davon waren 1.588 reine Elektroautos, 136 mehr als im Vorjahr. Ein Kleinwagen mit Elektroantrieb würde ohne Subventionen heute über 30.000 Euro kosten. Während die Gegenwart für das Elektroauto eher fade aussieht, wird ihm aber eine große Zukunft vorhergesagt. Viele Staaten wollen massiv in die Entwicklung und Verbreitung von Elektroautos investieren. Auch Deutschland als wichtiger Standort der Automobilindustrie kann hier nicht zurückstehen. Wie der nationale Entwicklungsplan Elektromobilität und das heutige Spitzentreffen bei der Kanzlerin demonstrieren, ist die Politik auch gewillt, einen Schulterschluss mit der Wirtschaft zu suchen. Dabei sollte es heute vor allem darum gehen, die Forschungsanstrengungen zu unterstützen und das notwendige Know-how im Lande aufzubauen.

Doch bei aller politischer Unterstützung wird es wohl noch mindestens ein Jahrzehnt dauern, bis das Elektroauto wirklich marktfähig wird. Die Mehrkosten gegenüber konventionellen Fahrzeugen liegen auch 2020 bei bis zu 10.000 Euro. Das politische Ziel, in diesem Jahr eine Million Elektrofahrzeuge auf den Straßen zu haben, wird sich daher wohl nur über Markteinführungsprogramme erreichen lassen.

Und hier liegt wohl auch die nicht zu unterschätzende Gefahr, dass sich die Staaten einen Subventionswettlauf um das Elektroauto liefern. Dabei wäre eher ein international koordiniertes Vorgehen angebracht, um Rahmenbedingungen und Standards zu setzen, was bereits bei der Form der Stecker anfängt und bei Recyclingvorschriften endet.

Zudem sollte bei aller Hoffnung auf ein neues Geschäftsfeld nicht übersehen werden, dass die umfassende Einführung des Elektroautos den Industriestandort Deutschland stark verändern wird. Ein Elektroauto ist bis auf die Batterie ein einfaches Produkt. Zahlreiche Komponenten wie etwa Getriebe oder Abgasreinigungssysteme entfallen. Dies wird Auswirkungen auf einen Großteil der Metallindustrie und den Maschinenbau in Deutschland haben, denn die Autoindustrie ist hier ein wichtiger Kunde.

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