Angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen wird mancherorts vorgeschlagen, die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes um einige Monate zu verlängern. Damit soll verhindert werden, dass vermehrt Arbeitnehmer, die in der Krise ihren Arbeitsplatz verlieren, in das Arbeitslosengeld II rutschen. Doch der Vorschlag richtet mehr Schaden an, als er nützt.
Lang genug
Und zwar gleich aus drei Gründen: Erstens ist es keineswegs zwangsläufig, dass sich Arbeitnehmer, die jetzt arbeitslos werden, in zwölf Monaten in Hartz IV wieder finden. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres sind den Arbeitsagenturen über 680.000 offene reguläre Vollzeitstellen gemeldet worden. Dazu kommt noch einmal eine vergleichbare Anzahl Stellenangebote, die nicht gemeldet werden.
Zweitens verlängert eine längere Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes auch Arbeitslosigkeit. Das zeigen Erfahrungen früherer Jahre. Denn Arbeitslose lassen sich, wenn sie ein finanzielles Polster haben, mehr Zeit bei der Jobsuche und sie werden wählerischer. Dadurch steigt die Langzeitarbeitslosigkeit und viele berufliche Kenntnisse gehen verloren. Ältere nutzen das Arbeitslosengeld als Übergang in die Frührente.
Drittens kostet die Zahlung von Arbeitslosengeld deutlich mehr als das Arbeitslosengeld II. Angesichts eines Defizits der Bundesagentur für Arbeit von rund 20 Milliarden Euro im nächsten Jahr ist eine solch massive Ausweitung der Leistungen nicht zu verantworten.
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