1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. EZB darf nicht berechenbar werden
Zeige Bild in Lightbox EZB darf nicht berechenbar werden
(© Foto: Oliver Boehmer - Fotolia)
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Eurokrise IW-Nachricht 20. August 2012

EZB darf nicht berechenbar werden

Ende Juli hat Zentralbankchef Draghi die Hoffnung geschürt, dass die EZB wieder Staatsanleihen von Krisenländern ankaufen könnte. Seitdem warten nicht nur die Finanzmärkte darauf, dass die EZB die Staatsanleihezinsen der Krisenländer drückt und so die Euro-Schuldenkrise beruhigt. Am Wochenende war sogar die Rede davon, dass die EZB mit ihren Interventionen feste Zinsobergrenzen festschreiben könnte. Davon ist jedoch abzuraten.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Allen Reformbemühungen in Italien, Spanien und Co. zum Trotz – die Finanzmärkte scheinen schon die Risiken eines Euro-Zusammenbruchs einzupreisen, was die Zinsen der Staatspapiere der Krisenländer nach oben treibt. Damit steigen aber auch die Zinsen für die Privatwirtschaft, und zwar mindestens so hoch wie die für Staatsanleihen. Weil deshalb die Niedrigszinspolitik der EZB in den Krisenländern nicht ankommt, ist der Ankauf von Staatsanleihen mit dem EZB-Mandat vereinbar – wenn die Krisenländer weiterhin an ihren Reformen arbeiten. Deshalb darf die EZB nicht allein agieren, sondern nur in Zusammenarbeit mit dem Rettungsschirm und seinen obligatorischen Reformprogrammen.

Wenn die EZB ein festes Zinsziel etwa für italienische Staatsanleihen vorgibt, legt sie damit gleichzeitig eine Kursuntergrenze fest, zu der sie Staatsanleihen aufkauft. Das würde den Finanzinvestoren gut gefallen. Denn viele von ihnen wollen sich auf Druck ihrer Eigentümer derzeit wohl lieber früher als später von den Staatsanleihen der Krisenländer trennen. Momentan laufen sie bei einem Markt ohne viele Käufer aber Gefahr, dass die Kurse stark sinken, wenn sie ihre Staatsanleihen en gros auf den Markt werfen. Das brächte Verluste, was viele noch davon abhält zu verkaufen.

Die Unsicherheit über das Verlustrisiko sollte ihnen die EZB aber nicht abnehmen. Andernfalls mag es zu einem starken Run aus den Staatanleihen der Krisenländer kommen, der für die EZB sehr teuer werden könnte.

Das wäre auch aus einem weiteren Grund problematisch. Denn weil die EZB bei der Umschuldung in Griechenland zu Recht einen vorrangigen Gläubigerstatus eingeräumt bekommen hat, würden mit immer größeren EZB-Aufkäufen immer mehr Risiken auf die verbleibenden Privatinvestoren verlagert. Die von ihnen geforderten Zinsen würden deshalb steigen und die Kurse sinken. Als Reaktion darauf würde das relativ hohe Kursziel der EZB immer attraktiver und die Verkaufswelle könnte noch größer werden.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Das Risiko der Stagflation in der Eurozone
Michael Hüther in Die Politische Meinung Gastbeitrag 28. Juli 2022

Teuerung auf breiter Front: Das Risiko der Stagflation in der Eurozone

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine hat in Deutschland und in der Eurozone die Konsumentenpreisinflation historische Höhen erklommen. Diese Entwicklung gründete auf einen bereits seit dem Jahresanfang 2021 zu beobachtenden Prozess der ...

IW

Artikel lesen
Michael Hüther auf Focus Online Gastbeitrag 22. Juli 2022

Teuerung auf breiter Front: Das Stagflations-Risiko in der Eurozone nimmt zu

Das Risiko einer Stagflation - einer Kombination von Inflation und schwächerem Wachstum - nimmt stetig zu. Dabei muss die EZB aufpassen, dass ihre aufgeblähte Zentralbankbilanz und ihr zögerliches Handeln nicht inflationär und zu einer Überwälzung auf die ...

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880