1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Vor Schnellschüssen sei gewarnt
Zeige Bild in Lightbox Vor Schnellschüssen sei gewarnt
(© Foto: Mumpitz - Fotolia)
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Grundsicherung im Alter IW-Nachricht 22. Oktober 2013

Vor Schnellschüssen sei gewarnt

Es stimmt: Mehr Menschen sind im Alter auf die staatliche Grundsicherung angewiesen als früher. Doch im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt kommt das immer noch deutlich seltener vor. Die zukünftige Bundesregierung sollte deshalb nicht auf Schnellschüsse setzen. Denn weder die zusätzliche Mütter-, noch eine Solidar- oder Lebensleistungsrente können treffsicher vor Altersarmut schützen.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Im Jahr 2012 bezogen mit knapp 465.000 Menschen fast 29.000 Ruheständler mehr Grundsicherungsleistungen im Alter als ein Jahr zuvor. In der Altersgruppe 65plus waren damit rund 2,7 Prozent auf diese steuerfinanzierte Hilfe angewiesen. Die Quote lag damit um einen halben Prozentpunkt über dem Wert von 2005. Allerdings ist die Entwicklung mit Blick auf die gesamte Bevölkerung zu relativieren: Im Durchschnitt aller Altersklassen sind rund 9 Prozent auf die Grundsicherung angewiesen.

Die Hilfsbedürftigkeit im Alter kommt statistisch gesehen also relativ selten vor. Deshalb sollten die angehenden Koalitionäre bei der Rentenpolitik mit Ruhe und Bedacht verhandeln. Weder die Mütter-, noch eine Zuschussrente können treffsicher vor Altersarmut schützen:

  • Die Verdoppelung der Anrechnung von Kindererziehungszeiten für Mütter (Väter), deren Kinder vor 1992 geboren wurden, bringt einer Rentnerin derzeit nicht mehr als 28,14 Euro pro Monat im Westen bzw. 25,74 Euro im Osten. Zieht man davon noch die fälligen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab, bleiben gerade einmal gut 25 Euro (23 Euro) übrig. Das reicht nicht, um wirksam vor Altersarmut zu schützen. Gleichwohl schlagen anfänglich Kosten von 6,5 Milliarden Euro zu Buche, weil viele Ruheständler profitieren würden, die bereits ausreichend versorgt sind - im Sinne der Armutsprävention also keine zielführende Investition.
  • Auch die Aufwertung von Versicherungszeiten mit niedrigen Beitragszahlungen oder Beitragsausfällen entpuppt sich als rentenpolitischer Irrweg. Denn auch hier drohen teure Mitnahmeeffekte, weil Rentenanwartschaften von Personen verbessert werden, die gar nicht der Hilfe bedürfen. Das kann zum Beispiel bei Teilzeitkräften der Fall sein, die nur das Familieneinkommen ergänzen wollen. Das kann aber auch der Fall sein, wenn andere Einkommensquellen sprudeln oder Vermögen vorhanden ist.
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Sorgen der Selbständigen unauffällig
Ruth Maria Schüler IW-Kurzbericht Nr. 65 3. August 2022

Alterssicherung: Sorgen der Selbständigen unauffällig

Der Koalitionsvertrag formuliert für neue Selbständige ohne obligatorische Alterssicherung eine Pflicht zur Altersvorsorge mit Wahlfreiheit. Eine Auswertung des Sozio-Oekonomischen Panels zeigt, dass zumindest die subjektiv empfundene Sorge um die ...

IW

Artikel lesen
Florian Blank / Johannes Geyer, Peter Haan, Maximilian Schaller / Jochen Pimpertz / Reinhold Thiede / Martin Werding IW-Trends Nr. 2 6. Juli 2022

Soll die gesetzliche Rente unterschiedliche soziodemografische Hintergründe berücksichtigen?

Während das gesetzliche Rentenrecht eine für alle Versicherten einheitliche Regelaltersgrenze vorsieht, deuten empirische Befunde auf eine ungleiche Verteilung der Lebenserwartung hin. Je nach Einkommenshöhe, beruflicher Stellung, berufsbedingten ...

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880