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Lohnpolitik IW-Nachricht 30. Juli 2014

Wenig Weitblick bei der Bundesbank

Die Bundesbank hat erneut Lohnerhöhungen von durchschnittlich 3 Prozent gefordert, um deflationären Gefahren vorzubeugen. Neben dem Produktivitätsplus von 1 Prozent sollen 2 Prozent verteilt werden, damit die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zielinflationsrate realisieren kann. Diese Argumentation übersieht, dass die Preisüberwälzungsspielräume der Unternehmen nicht so hoch sein müssen, wie die EZB-Zielinflationsrate. Gehen die Lohnsteigerungen zu Lasten der Erträge, dämpft dies Investitionen, Wachstum und den künftigen Lohnerhöhungsspielraum.

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Jede Lohnpolitik, bei der die Löhne schneller als die Produktivität steigen, treibt die Preise und damit die Inflation. Seit 2005 stiegen die Bruttostundenlöhne in Deutschland um 22,6 Prozent, die Produktivität hingegen nur um 8,2 Prozent. Die deutsche Lohnpolitik beugt also seit Jahren deflationären Tendenzen vor.

Wer jetzt dennoch eine größere Lohndynamik fordert, muss sich bewusst sein, dass höhere Löhne zwar zu höheren Preisen führen können, aber nicht müssen. Denn gerade in einem Umfeld mit verhaltenen Wachstumsaussichten und wachsenden Risiken ist nicht zu erwarten, dass die Unternehmen steigende Löhne einfach auf die Preise überwälzen können. Doch wenn keine entsprechende Überwälzung möglich ist, gehen steigende Lohnkosten vor allem zu Lasten der Unternehmensgewinne und damit der Investitionen. Dass Investitionen ausbleiben, kostet mittelfristig Wachstum und damit die Lohnsteigerungen von Morgen.

Und noch etwas anderes sollten Bundesbank und Europäische Zentralbank bei ihren Lohnforderungen nicht außer Acht lassen: In den vergangenen 15 Jahren hat es regelmäßig Phasen mit geringen Inflationsraten gegeben. Doch trotz maßvoller Lohnabschlüsse in Deutschland gab es keine Deflation.

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