Zypernkrise Image
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Wenn ein Land überschuldet ist, sollte es keine Liquiditätshilfen mehr erhalten. Sinnvoll sind in solchen Fällen allenfalls Hilfen, die an Bedingungen geknüpft sind und eine Insolvenz begleiten. Im Zuge eines Schuldenschnitts muss dann – wie in Griechenland - der Privatsektor beteiligt werden, indem er auf einen Teil seiner Forderungen verzichtet.

Nach der Ankündigung einer solchen Beteiligung in Griechenland kam es Mitte 2011 allerdings zu gefährlichen Ansteckungseffekten auf Italien und Spanien: Die Investoren hatten Angst, dass sie dort ebenfalls auf Teile ihres Kapitals verzichten müssten, verliehen kaum noch Geld und die Zinsen stiegen rasant. Deshalb hat man Hellas aus der Not zum Einzelfall erklärt und im ESM-Vertrag die Regeln geändert, wie der Privatsektor im Überschuldungsfall beteiligt werden kann – nämlich fast gar nicht mehr. Die Konsequenz ist allerdings problematisch. Denn jetzt besteht mit Zypern die Gefahr, dass die Eurozone einen insolventen Staat mit Liquiditätshilfen stützen muss – obwohl aus ökonomischer Sicht ein Schuldenschnitt nötig wäre.

Der Fall Zypern sollte daher von der deutschen Regierung strategisch als Chance genutzt werden, um die Beteiligung des Privatsektors dann wieder möglich zu machen, wenn sie nötig ist. Denn Zypern erscheint genauso als Einzel- und Sonderfall wie Griechenland. Die Beruhigung an den Staatsanleihemärkten bietet derzeit die Voraussetzung für einen solchen Vorstoß. Um potenzielle Ansteckungseffekte zu vermeiden, ist es allerdings wichtig, klarzustellen, dass Italien, Portugal und Spanien deutlich besser dastehen als Zypern. Zudem müsste man das Vorhaben sehr vorsichtig kommunizieren, um die Reaktion der Finanzmärkte zunächst zu testen.

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Free Trade between Europe and Japan – hope for global prosperity
Gastbeitrag, 20. Juni 2017

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In an environment with growing protectionism and the danger of economic disintegration and shocks for the global trade policy system, a free trade agreement between Japan and Europe could set a positive example. Progress in the negotiations are necessary to foster growth and prosperity and to send a message to other countries, that modern market economies rely on good trade relations. mehr

20. Juni 2017

Interview mit Tobias Paulun „Mit einem liquiden Markt sollte man nicht spielen“Arrow

Damit die EU eines Tages eine Energieunion mit grenzüberschreitendem Handel und einer gemeinsamen Energiepolitik wird, hat die EU-Kommission in ihrem neuen „Strommarktdesign“ unter anderem vorgeschlagen, die Preiszonen im Strommarkt neu zu definieren. Was die European Energy Exchange (EEX) davon hält, erläutert Tobias Paulun, Mitglied des EEX-Vorstands, im iwd. Zunächst aber erklärt er, was die Energiebörse in Leipzig überhaupt macht. mehr auf iwd.de

Brexit
IW-Nachricht, 19. Juni 2017

Jürgen Matthes Brexit: Missverständnisse vermeidenArrow

Fast ein Jahr nach dem Referendum beginnen heute die Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU. Die Lage scheint vertrackt, doch in der öffentlichen Debatte wird die bisherige Position der britischen Regierung häufig missverstanden – und damit auch die Chancen für konstruktive Verhandlungen übersehen. mehr