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Im August 2012 sind fundamentale Reformen des Zuwanderungsrechts in Deutschland in Kraft getreten. Die wichtigste war die Einführung der „Blauen Karte EU“. Mit ihr können Zuwanderer aus Nicht-EU-Ländern in Deutschland leben und arbeiten, wenn sie einen Hochschulabschluss und ein Einkommen von mindestens 46.400 Euro im Jahr vorweisen können. Wenn ihr Arbeitsverhältnis nach drei Jahren immer noch besteht, dürfen sie dauerhaft bleiben. Vor Einführung der Blauen Karte war entweder ein Einkommen von 66.000 Euro oder eine Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit notwendig. Die Neuregelung erleichtert es also Zuwanderern aus fernen Ländern – für EU-Bürger gilt ohnehin die Arbeitnehmerfreizügigkeit –, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

In bestimmten Mangelberufen gelten nach der neuen Regelung sogar noch geringere Grenzwerte: Für Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler, Techniker (MINT-Berufe) und Mediziner reicht bereits ein Jahreseinkommen von 36.192 Euro. Zudem haben es ausländische Akademiker nun leichter, eine Stelle zu finden. Dank des Aufenthaltstitels zur Arbeitssuche können sie für bis zu sechs Monate nach Deutschland kommen, um sich einen ausreichend bezahlten Job zu suchen. Sie müssen in dieser Zeit nur für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen.

Zur Einführung der Blauen Karte rechneten die Verantwortlichen mit 3.500 Genehmigungen pro Jahr. Tatsächlich erteilten die Behörden bereits im ersten halben Jahr 4.126 der neuen Aufenthaltstitel. Zwei Drittel davon gingen an Hochqualifizierte, die sich bereits länger in Deutschland aufhielten – in der Regel, weil sie ein Studium absolvierten. Die übrigen Inhaber einer Blauen Karte kamen neu nach Deutschland. Insgesamt gingen vier von zehn Blauen Karten an Personen mit den besonders gesuchten Qualifikationen. Die häufigsten Herkunftsländer sind Indien (983), China (398), Russland (262) und die USA (182). Vor dem Hintergrund von Fachkräfteengpässen und demografischem Wandel bleibt zu hoffen, dass sich die „Blue Card“ in diesen und anderen Ländern schnell herumspricht.

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IW-Nachricht, 18. Juli 2017

Oliver Koppel MINT: Fachkräfte verzweifelt gesuchtArrow

Egal ob Digitalisierung, Industrie 4.0 oder Elektromobilität – für die Umsetzung dieser neuen Trends benötigen Unternehmen in Deutschland technisch-naturwissenschaftliches Know-How. Das zeigt sich auch am Arbeitsmarkt: Noch nie waren in den sogenannten MINT-Berufen so viele offene Stellen zu besetzen. mehr

10. Juli 2017

Philipp Deschermeier Achtung, demografischer WandelArrow

Wahr ist, dass es Deutschland derzeit so gut geht wie schon lange nicht mehr: Die Beschäftigung liegt auf Rekordniveau, die Arbeitslosigkeit ist auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung, die staatlichen Haushalte schreiben schwarze Zahlen und die Schulden sinken. Wahr ist aber auch: So wird es nicht bleiben. Die IW-Studie „Perspektive 2035“ zeigt, warum der demografische Wandel das Land vor große Herausforderungen stellt. mehr auf iwd.de