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In diesem Jahr droht der gesetzlichen Krankenversicherung trotz erhöhter Steuerzuschüsse ein Defizit von schätzungsweise 4 Milliarden Euro. Angesichts dieser düsteren Aussichten haben mehrere große deutsche Krankenkassen angekündigt, Zusatzbeiträge von ihren Versicherten einzufordern. Mehr als 8 Euro extra pro Monat werden es wohl nicht sein, denn noch höhere Nachforderungen müssen von der Versicherungsaufsicht genehmigt werden.

Auf den ersten Blick erscheint der Zusatzbeitrag wie ein Bruch mit der Idee einer solidarischen Sozialversicherung. Auf den zweiten Blick ist er aber ein Anreiz für die Versicherten, kostenbewusster zu handeln – im Klartext: die Versicherung zu wechseln. Denn der Zusatzbeitrag ist zumindest zum heutigen Zeitpunkt noch kein unabwendbares Schicksal. Sobald die eigene Versicherung eine Extraforderung ankündigt, können sich die Mitglieder grundsätzlich binnen vier Wochen für eine andere Kasse oder einen anderen Tarif entscheiden. Von daher ist es auch nicht sinnvoll, Empfängern von Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II den Zusatzbeitrag zu erlassen – denn auch sie als mündige Menschen können ihrer Krankenkasse ganz einfach den Rücken kehren.

Makroökonomische Effekte einer paritätischen Beitragsfinanzierung
IW policy paper, 23. August 2017

Martin Beznoska / Galina Kolev / Jochen Pimpertz Makroökonomische Effekte einer paritätischen BeitragsfinanzierungArrow

Im Vorfeld der Bundestagswahl wird unter anderem eine Rückkehr zur vollständig paritätischen Beitragsfinanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung gefordert. Allerdings entpuppt sich die damit verbundene Hoffnung auf eine nachhaltige Entlastung der Beitragszahler als Irrweg. mehr