Die EZB kuriert nur die Symptome Image
EZB-Chef Mario Draghi Quelle: INSM

Zum ersten Mal sinkt der Leitzins in der Eurozone unter 1 Prozent. Der Leitzins ist der Satz, zu dem sich Banken bei der Europäischen Zentralbank refinanzieren können. Er bildet damit eine Untergrenze für in Euro vergebene Kredite. Der neue Zinssatz von 0,75 Prozent gilt auch für die sogenannten dicken Berthas, also die umfangreichen Refinanzierungsgeschäfte der Zentralbank vom Jahreswechsel. Die EZB hatte den Banken im Dezember und Februar Geld für drei Jahre zum Leitzins angeboten. Die Banken verschafften sich auf diesem Wege rund 1.000 Milliarden Euro.

Hintergrund der jüngsten Zinssenkung ist die schwächelnde Konjunktur in der Eurozone und die Eurokrise, die insbesondere den Banken zu schaffen macht. Der Zinsschritt verbessert die Ertragssituation der Banken und wird mit einiger Verzögerung auch die Finanzierungsbedingungen der Realwirtschaft verbessern.

Die lockere Geldpolitik kann die Krise allerdings nur symptomatisch bekämpfen. Zudem ist keineswegs gesichert, dass die EZB die Zinsen störungsfrei wieder erhöhen und die geschaffene Liquidität wieder einsammeln kann. Im schlimmsten Fall droht langfristig eine Geldentwertung. Zudem kann es zu Fehlinvestitionen kommen, weil sich das viele Geld auch schlechte Projekte sucht.

20. November 2017

Interview mit Michael Sket „Wir können uns in der Eurozone noch nicht zurücklehnen“Arrow

Als es galt, die europäischen Krisenstaaten vor der Pleite und die Währungsunion vor dem Zerfall zu bewahren, stabilisierte Michael Sket, inzwischen Wirtschaftsanalyst für Italien, Malta und Polen bei der EU-Kommission, zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen den Staatenverbund mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Im iwd-Interview spricht Sket über Griechenland, das Verhältnis der Deutschen zu den Italienern und die Rolle des Internationalen Währungsfonds. mehr auf iwd.de

17. November 2017

Jürgen Matthes Europa zwischen Komfortzone und KrisenherdArrow

Das Erstarken populistischer Parteien, Terrorangriffe und nicht zuletzt das Brexit-Votum haben die Europäische Union gehörig durcheinandergeschüttelt. Doch es gibt auch Lichtblicke: Die Begeisterung für den europäischen Staatenverbund war schon lange nicht mehr so groß wie heute. Gleichwohl gibt es in vielen Punkten Verbesserungsbedarf. Dieser Beitrag bildet den Auftakt einer Serie zur Zukunft der EU auf iwd.de. mehr auf iwd.de

Zinswende: Bloß nicht zu schnell
Gastbeitrag, 5. November 2017

Markus Demary und Michael Voigtländer in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Zinswende: Bloß nicht zu schnellArrow

Die geringen Zinsen fördern die Staatsverschuldung, sie belasten Versicherungen und deren Kunden, erschweren die Altersvorsorge und können zu Spekulationsblasen führen. Auf Dauer muss die EZB daher den Leitzins erhöhen, schreiben die IW-Ökonomen Markus Demary und Michael Voigtländer in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Aber die Wende sollte behutsam geschehen – sonst drohen enorme Risiken. mehr