Die EZB kuriert nur die Symptome Image
EZB-Chef Mario Draghi Quelle: INSM

Zum ersten Mal sinkt der Leitzins in der Eurozone unter 1 Prozent. Der Leitzins ist der Satz, zu dem sich Banken bei der Europäischen Zentralbank refinanzieren können. Er bildet damit eine Untergrenze für in Euro vergebene Kredite. Der neue Zinssatz von 0,75 Prozent gilt auch für die sogenannten dicken Berthas, also die umfangreichen Refinanzierungsgeschäfte der Zentralbank vom Jahreswechsel. Die EZB hatte den Banken im Dezember und Februar Geld für drei Jahre zum Leitzins angeboten. Die Banken verschafften sich auf diesem Wege rund 1.000 Milliarden Euro.

Hintergrund der jüngsten Zinssenkung ist die schwächelnde Konjunktur in der Eurozone und die Eurokrise, die insbesondere den Banken zu schaffen macht. Der Zinsschritt verbessert die Ertragssituation der Banken und wird mit einiger Verzögerung auch die Finanzierungsbedingungen der Realwirtschaft verbessern.

Die lockere Geldpolitik kann die Krise allerdings nur symptomatisch bekämpfen. Zudem ist keineswegs gesichert, dass die EZB die Zinsen störungsfrei wieder erhöhen und die geschaffene Liquidität wieder einsammeln kann. Im schlimmsten Fall droht langfristig eine Geldentwertung. Zudem kann es zu Fehlinvestitionen kommen, weil sich das viele Geld auch schlechte Projekte sucht.

Future of the European Monetary Union – how to deepen the Eurozone?
Veranstaltung, 28. Juni 2017

Working Breakfast Future of the European Monetary UnionArrow

The Cologne Institute for Economic Research (IW Köln) and the Association of German Banks (BdB) have successfully launched a series of events on the topic of the European Financial Markets. mehr

In der Falle der niedrigen Zinsen
Gastbeitrag, 27. April 2017

Hubertus Bardt auf n-tv.de In der Falle der niedrigen ZinsenArrow

Die Europäische Zentralbank berät wieder über die Leitzinsen. Sie werden wohl auf ihrem Rekordtief bleiben. Durch diese Politik gerät das zentrale Problem im Euroraum in Vergessenheit: die extrem hohen Staatsschulden. Ein Gastkommentar auf n-tv.de von Hubertus Bardt, Geschäftsführer im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. mehr