Das im vergangenen Dezember verabschiedete Klimaabkommen von Paris ist mittlerweile in Kraft getreten und formal auch dann nicht in Gefahr, wenn die USA aussteigen. Inzwischen haben über 100 Staaten das Abkommen ratifiziert und sich dadurch verpflichtet, definierte Beiträge zum Klimaschutz zu leisten. Möglichst viele Unterzeichner für ein Abkommen zu gewinnen, ist beim Thema Klimaschutz der einzig zielführende Weg, denn CO2-Emissionen sind ein globales Problem: Es bringt nichts, wenn einige Staaten ihren Ausstoß zurückfahren, solange die Emissionen andernorts ungebremst steigen.

Deshalb war das Abkommen von Paris ein Erfolg, denn nahezu alle Nationen – darunter die großen Emittenten China, USA und Indien – haben sich verpflichtet. Gewiss: Es ist noch ein weiter Weg zu konkreten Maßnahmen, doch die Unterzeichner-Staaten haben einen wichtigen Anfang gemacht. In der Zukunft wird sich kein Unternehmen mehr dem Klimaschutz entziehen können, indem es einfach die Produktion in ein anderes Land verlagert.

Die USA hatten im Pariser Klimaabkommen zugesagt, ihren CO2-Ausstoß bis 2025 um mehr als ein Viertel gegenüber 2005 zu reduzieren. Bereits in den vergangenen Jahren sind die CO2-Emissionen in den USA zurückgegangen – auch, weil die USA seit dem Fracking-Boom zur Energieerzeugung stärker auf Gas als auf Öl und Kohle setzen. Doch hier könnte Kohle-Freund Trump nun umsteuern.

Sollte Trump zusätzlich das Pariser Klimaabkommen aufkündigen, hätten US-Unternehmen einen erheblichen Wettbewerbsvorteil: Sie müssten dann – anders als ihre europäischen Konkurrenten – nicht für ihre CO2-Emissionen bezahlen. Für die vergangene Woche gestartete Weltklimakonferenz in Marrakesch sind Trumps Gedankenspiele denkbar schlecht. Eigentlich sollte es um konkrete Maßnahmen gehen, wie die Staaten die in Paris vereinbarten Ziele erreichen können. Doch wenn einer der wichtigsten globalen Player ausschert, könnten auch die Umweltschutz-Ambitionen anderer großer Emittenten wie China oder Indien nachlassen. Dann wäre das Abkommen von Paris schon bald nicht mehr das Papier wert, auf dem es steht.