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Bisher sieht das Teilzeit- und Befristungsgesetz nur vor, dass Teilzeitbeschäftigte bei der Besetzung freier Vollzeitstellen im Betrieb bevorzugt berücksichtigt werden müssen. Gegenwärtig gibt es rund 1,5 Millionen Teilzeitbeschäftigte, die angeben keine Vollzeitstelle gefunden zu haben, darunter 1,1 Millionen Frauen.

Ein Recht auf Rückkehr würde allerdings, abgesehen von der grundsätzlichen Problematik einer Einschränkung der Vertragsfreiheit, einige Probleme verursachen:

  • Während ein Betrieb eine Arbeitszeitverkürzung durch Neueinstellungen oder Reorganisationen auffangen kann, ist die Disposition bei einer Arbeitszeitverlängerung schwieriger. Die mittel- und langfristige Personalplanung insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen wird erschwert, wenn unsicher ist, wann und wie viele Teilzeitarbeitnehmer einen Wunsch nach Vollzeit geltend machen werden. Der erhöhte Flexibilitätsbedarf müsste durch verstärkten Einsatz von Befristungen oder Zeitarbeit kompensiert werden.
  • Ein überdurchschnittlicher Anteil der unfreiwillig Teilzeitbeschäftigten hat keine abgeschlossene Berufsausbildung. Akademiker finden sich in dieser Gruppe hingegen kaum. Dies deutet darauf hin, dass es sich um ein Problem mangelnder Nachfrage der Betriebe nach einfacher Arbeit handelt, und weniger eine Frage des mangelnden Willens ist, Vollzeitstellen anzubieten.
  • Ein Recht auf Rückkehr in Vollzeit könnte dazu führen, dass Betriebe – um die damit verbundenen Probleme zu vermeiden – schon beim Wunsch nach Teilzeit zurückhaltender sind. Am Ende könnten Rechtsunsicherheit und Unfrieden in die Betriebe getragen werden, wenn Arbeitnehmer ihren Teilzeitwunsch vermehrt über die Arbeitsgerichte einfordern.

Das Gesetz könnte nicht nur Probleme verursachen, es ist auch fraglich ob es überhaupt erforderlich ist. Denn Vereinbarungen über die spätere Ausweitung der Arbeitszeit sind auch ohne gesetzliche Regelung möglich – wenn sich beide Seiten einig sind. Drängender erscheint die Problematik der unfreiwilligen Teilzeit, die aufgrund fehlender Betreuungsmöglichkeiten besteht: Wegen familiärer oder persönlicher Verpflichtung sind 4 Millionen Arbeitnehmer nur mit eingeschränkter Stundenzahl erwerbstätig.

Ansprechpartner

Interview, 4. Mai 2017

Oliver Stettes auf AKTIV online „Warum brauchen Betriebe eigentlich mehr Flexibilität?”Arrow

Die Bundesregierung will das Arbeitszeitgesetz modernisieren. Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erklärt, worauf es dabei für die Unternehmen maßgeblich ankommt und weshalb die Politik mutiger sein sollte. mehr

Minijobber zufriedener als behauptet
IW-Nachricht, 25. April 2017

Geringfügige Beschäftigung Minijobber zufriedener als behauptetArrow

Arbeitnehmer wünschen sich sichere, gut bezahlte und interessante Jobs. Soweit das erwartbare Ergebnis einer nicht-repräsentativen Befragung der IG Metall. Überraschend ist dagegen, dass die Mehrheit der Beschäftigten laut der Umfrage eine Abschaffung der geringfügigen Beschäftigung wünscht. Das steht im Widerspruch zu anderen empirischen Befunden. mehr

Teilzeitarbeit
IW-Nachricht, 29. März 2017

Teilzeitarbeit Rückkehrrecht in Vollzeit ist überflüssigArrow

Die Bundesregierung möchte Teilzeitbeschäftigten ein Recht auf eine Rückkehr in Vollzeit einräumen – darüber berät heute erneut der Koalitionsausschuss. Dabei wird übersehen: Unfreiwillige Teilzeit aus betrieblichen Gründen ist eher die Ausnahme. mehr