Tarifforderung Öffentlicher Dienst Image
Verdi fordert für die Mitarbeiter des Öffentlichen Diensts im Bund und in den Kommunen eine Lohnerhöhung von 6 Prozent für zwölf Monate – dabei werden sie schon heute gut bezahlt. Foto: ollo/iStock

Lange Zeit war der Öffentliche Dienst angesichts der hohen Defizite der öffentlichen Haushalte von der allgemeinen Lohnentwicklung abgekoppelt. Zwischen 2000 und 2007 gab es für die Tarifbeschäftigten gerade einmal eine Lohnsteigerung von 7,5 Prozent. Zum Vergleich: Im Gastgewerbe lag das Plus bei gut 11 Prozent, im Einzelhandel bei fast 13 und im Verarbeitenden Gewerbe einschließlich Bergbau und Energie sogar bei 17,5 Prozent.

Seit der Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich das Blatt aber gewendet. Im Dezember 2007 startete Verdi die Tarifrunde des Jahres 2008 mit einer Lohnforderung von 8 Prozent. Um den angestrebten Kurswechsel in der Tarifpolitik zu erreichen, wurden massive Warnstreiks organisiert. Das zahlte sich aus: Das Schlichtungsergebnis sah neben üppigen Einmalzahlungen eine Lohnerhöhung von 7,9 in zwei Stufen vor. Die folgenden Tarifrunden standen ebenfalls im Zeichen des Aufholens. Zwischen 2007 und 2015 legten die Tariflöhne je Stunde um 22,9 Prozent zu. Das war mehr als in der Gastronomie mit 20,5 Prozent und im Einzelhandel mit 18,7 Prozent – und genauso viel wie im Verarbeitenden Gewerbe.

Der Öffentliche Dienst muss deshalb mittlerweile keinen Niveauvergleich mehr scheuen: Mitte 2015 lag das Entgelt für einfache Tätigkeiten in der untersten Entgeltgruppe der Kommunen bei 1.671 Euro. Das war höher als beispielsweise im nordrhein-westfälischen Einzelhandel (1.524 Euro), aber noch deutlich geringer als in der Industrie: In der Chemischen Industrie etwa lag das Einstiegsentgelt (Grundentgelt ohne Zuschläge oder Sonderzahlungen) bei 2.071 Euro.

In den Entgeltgruppen, die eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen, vergrößert sich der Abstand des Öffentlichen Dienstes zu anderen Dienstleistungsbranchen weiter – während sich der Abstand gegenüber der Industrie verringert. Ein Vergleich ist allerdings schwierig, da im TVöD gleich vier Entgeltgruppen, E5 bis E8, den Tätigkeitsbereich mit abgeschlossener Berufsausbildung abdecken. In der Entgeltgruppe 5 TVöD der Kommunen liegt das Einstiegsgehalt derzeit bei 2.146 Euro, in der Entgeltgruppe 8 beträgt es bis zu 3.097 Euro. In der Chemischen Industrie (Nordrhein) liegt der Vergleichskorridor bei 2.853 bis 3.309 Euro, im Einzelhandel (NRW) hingegen bei 1.657 bis 2.423 Euro.

Ansprechpartner

25. Oktober 2017

Hagen Lesch Tariflöhne: Die Industrie prescht vorArrow

Die IG Metall fordert für die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektro-Industrie Lohnsteigerungen von 6 Prozent sowie die Möglichkeit einer reduzierten Vollzeit. Ein Tariflohnvergleich zeigt, dass die M+E-Industrie seit der Jahrtausendwende vielen Branchen davongeeilt ist. mehr auf iwd.de

10. Oktober 2017

Hagen Lesch Reallöhne: Arbeitnehmer im PlusArrow

Dass sich Deutschlands gute Wirtschaftslage nicht in den Geldbeuteln der Arbeitnehmer niederschlage, ist ein oft zu hörender Vorwurf – insbesondere aus dem Gewerkschaftslager. Doch die Zeiten sinkender Reallöhne sind lange vorbei. mehr auf iwd.de

Fluktuation auf dem Arbeitsmarkt: Wechseln ist aufwendig
Interview, 29. September 2017

Holger Schäfer in der Süddeutschen Zeitung Fluktuation auf dem Arbeitsmarkt: Wechseln ist aufwendigArrow

Wo Lücken gefüllt werden müssen, ist die Fluktuation hoch, sagt IW-Arbeitsmarktökonom Holger Schäfer im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. In Branchen dagegen, die ein hohes Qualifikationsniveau erfordern, ist sie geringer. mehr