Tarifeinheitsgesetz Image
Im aktuellen Tarifkonflikt besteht ein hohes Maß an Rechtsunsicherheit – die klare Linie fehlt. Foto: Julio César Mesa/Flickr

Die Mehrheit der Flugbegleiter ist nach Angaben von Branchenkennern zwar in der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation UFO organisiert, doch Verdi verfügt am Boden über den größten Rückhalt. Derzeit sind beide Gewerkschaften noch weit von einem Abschluss entfernt. Irgendwann werden sie aber abschließen. Vereinbaren die beiden Organisationen dann unterschiedliche Regelungen, käme es zur Tarifkollision – laut Tarifeinheitsgesetz würde sich in diesem Fall der Mehrheitstarifvertrag durchsetzen.

Ob dies der Tarifvertrag von Verdi ist und UFO mit leeren Händen dasteht, ist a priori unsicher. Denn UFO hat sich kürzlich mit zwei kleineren, noch nicht tariffähigen Gewerkschaften – der Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr und der Technikgewerkschaft Luftfahrt – zur Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) zusammengeschlossen. Welche Organisation größer ist, Verdi oder die IGL, müsste ein Notar prüfen.

Schließen die konkurrierenden Gewerkschaften zu unterschiedlichen Zeitpunkten ab, kann zudem der Fall eintreten, dass zunächst der zuerst geschlossene Tarifvertrag gilt – es besteht zu diesem Zeitpunkt ja noch keine Tarifkollision. Anschließend könnte er aber durch den später geschlossenen zweiten Tarifvertrag verdrängt werden, wenn dieser der Mehrheitstarifvertrag ist.

Es besteht ob der aktuellen Konstellation also ein hohes Maß an Rechtsunsicherheit. Die Gewerkschaften können diese auflösen, indem sie miteinander kooperieren und mit dem Arbeitgeber gemeinsame Regelungen treffen. Oder sie grenzen ihren Organisationsbereich klar ab: Verdi beschränkt sich auf das Bodenpersonal, UFO oder wahlweise die IGL auf die Flugbegleiter. In beiden Fällen würde das Tarifeinheitsgesetz sein Ziel erreichen: Die Gewerkschaften sollen organisatorische Streitereien autonom regeln und es erst gar nicht auf den Ernstfall „Tarifkollision“ ankommen lassen.

Ansprechpartner

25. Oktober 2017

Hagen Lesch Tariflöhne: Die Industrie prescht vorArrow

Die IG Metall fordert für die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektro-Industrie Lohnsteigerungen von 6 Prozent sowie die Möglichkeit einer reduzierten Vollzeit. Ein Tariflohnvergleich zeigt, dass die M+E-Industrie seit der Jahrtausendwende vielen Branchen davongeeilt ist. mehr auf iwd.de

10. Oktober 2017

Hagen Lesch Reallöhne: Arbeitnehmer im PlusArrow

Dass sich Deutschlands gute Wirtschaftslage nicht in den Geldbeuteln der Arbeitnehmer niederschlage, ist ein oft zu hörender Vorwurf – insbesondere aus dem Gewerkschaftslager. Doch die Zeiten sinkender Reallöhne sind lange vorbei. mehr auf iwd.de

IW-Kurzbericht, 27. September 2017

Hagen Lesch Internationaler ArbeitskampfvergleichArrow

In einer globalisierten Wirtschaft bedrohen Streiks die Lieferpünktlichkeit und damit auch Kundenbeziehungen. Je weniger Arbeitstage durch Arbeitskämpfe verloren gehen, desto besser ist das für die Planungssicherheit der Unternehmen. Der Soziale Friede ist deshalb ein wichtiger Standortfaktor. Ein internationaler Arbeitskampfvergleich unter 22 OECD-Ländern für den Zeitraum 2007 bis 2016 zeigt, dass es um die Qualität der Arbeitsbeziehungen recht unterschiedlich bestellt ist. mehr