Stabilität statt Streikchaos Image
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Mit dem Tarifeinheitsgesetz will die Bundesregierung dafür sorgen, dass konkurrierende Gewerkschaften ihren Organisationsstreit nicht auf dem Rücken von Arbeitgebern und unbeteiligten Kunden austragen. Die Bahnstreiks im letzten Herbst haben gezeigt, wohin solche Konflikte führen können.

Über Jahrzehnte hinweg galt in Deutschland der Grundsatz „ein Betrieb gleich ein Tarifvertrag“. Dieser Grundsatz war neben dem Flächentarifvertrag eine elementare Säule der deutschen Arbeitsbeziehungen. Beides zusammen sicherte ein hohes Maß an sozialem Frieden. Dies war ein Standortvorteil, der Arbeitsplätze sicherte.

Tarifkonkurrenz fragmentiert indes die Tarifverhandlungen, schürt Neid zwischen Gewerkschaften, Berufsgruppen und Beschäftigten und erhöht die Konfliktrisiken. Tarifverhandlungen mit Spartengewerkschaften dauern länger und eskalieren leichter als die der Branchengewerkschaften. (siehe dazu: IW policy paper 1/2015)

Das geplante Tarifeinheitsgesetz schränkt die Tariffähigkeit von Spartengewerkschaften ohnehin nicht ein. In Einzelfällen kann es zu einer Einschränkung des Streikrechts kommen, wenn sich Gewerkschaften untereinander nicht einigen können, aber die größere Gewerkschaft einen Tarifvertrag abschließen will. Damit schützt der Gesetzgeber das Gemeinwohl und er sichert die Funktionsfähigkeit der Tarifautonomie.

IW policy paper

Hagen Lesch / Paula Hellmich: Das Tarifeinheitsgesetz – Juristischer Balanceakt mit ökonomischer Wirkung

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Ansprechpartner

21. Juni 2017

Adam Giza Gewerkschaften unter DruckArrow

Die Arbeitnehmervertretungen kommen zunehmend unter Druck. Nicht einmal mehr jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland war 2015 Mitglied in einer Gewerkschaft. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. mehr auf iwd.de

Gewerkschaftsspiegel, 8. Juni 2017

Paula Hellmich / Hagen Lesch DGB-Organisationsgrad: Nordwesten stärker, Südosten schwächerArrow

Ende 2015 zählten die acht im DGB zusammengeschlossenen Einzelgewerkschaften zusammen über 6 Millionen Mitglieder. Die Hälfte davon verteilt sich auf die drei großen Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Am stärksten sind die DGB-Gewerkschaften jedoch im Saarland und in Bremen, am schwächsten in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. mehr

Gewerkschaftsspiegel, 8. Juni 2017

Adam Giza Tarifbindung: Jeder Zweite bekommt TarifentgeltArrow

Zur Schätzung des Anteils tarifgebundener Arbeitnehmer in Deutschland wurde bisher auf das IAB-Betriebspanel und die Verdienststrukturerhebung zurückgegriffen. Mit dem Sozio-oekonomischen Panel steht nun eine dritte Datenbasis zur Verfügung. Danach wurde 2015 knapp jeder zweite Arbeitnehmer nach einem Tarifvertrag bezahlt. mehr