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Mehr Freiraum für betriebliche Spielräume könnten die Verbreitung von Flächentarifverträgen wieder stärken. Foto: andresr/iStock

Der Flächentarifvertrag hat für Arbeitgeber und Arbeitnehmer viele Vorteile: Die Betriebe müssen nicht jeden Arbeitsvertrag individuell aushandeln, was ihnen Kosten spart. Außerdem gilt über die Laufzeit des Tarifvertrags hinweg eine branchenweite Friedenspflicht, die Störungen durch Streiks vermeidet und Planungssicherheit schafft. Und schließlich vermeidet er eine gegenseitige Lohnunterbietung, von der die Arbeitnehmer profitieren.

Trotz dieser Vorteile galten 2015 im Westen nur noch für 51 Prozent aller Beschäftigten Flächentarifverträge – zwei Prozentpunkte weniger als 2014. Immerhin stieg die Flächentarifbindung im Osten um einen Prozentpunkt auf 37 Prozent. Bundesweit liegt die Quote nach IW-Berechnungen damit bei 48 Prozent (2014: 50 Prozent).

Um einen weiteren Rückgang der Flächentarifbindung zu vermeiden, müssen Tarifverträge nicht nur flexible Regelungen vorsehen. Die Gewerkschaften müssen auch darauf achten, dass ertragsschwächere Betriebe die tariflichen Bedingungen erfüllen können. Je länger sich die Tariflohnsteigerungen am Branchendurchschnitt orientieren, desto größer wird naturgemäß die Zahl an Betrieben, die Probleme bekommt. Flächentarifverträge sollten daher mehr Freiraum für betriebliche Spielräume eröffnen. Die zuletzt in der Metall- und Elektro-Industrie vereinbarten Möglichkeiten, Einmalzahlungen zu variieren oder tabellenwirksame Erhöhungen zu verschieben, sind wichtige erste Schritte.

Ansprechpartner

Gewerkschaftsspiegel, 8. Juni 2017

Adam Giza Tarifbindung: Jeder Zweite bekommt TarifentgeltArrow

Zur Schätzung des Anteils tarifgebundener Arbeitnehmer in Deutschland wurde bisher auf das IAB-Betriebspanel und die Verdienststrukturerhebung zurückgegriffen. Mit dem Sozio-oekonomischen Panel steht nun eine dritte Datenbasis zur Verfügung. Danach wurde 2015 knapp jeder zweite Arbeitnehmer nach einem Tarifvertrag bezahlt. mehr

2. Juni 2017

Hagen Lesch Mindestlohn bringt Tarifbindung in GefahrArrow

Mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns 2015 sind in vielen Branchen die Tariflöhne verdrängt und die Lohnabstände zwischen gelernten und ungelernten Tätigkeiten verringert worden. Das könnte die Tarifbindung schwächen. mehr auf iwd.de

Besser ohne staatlichen Tarifzwang
Gastbeitrag, 29. Mai 2017

Hagen Lesch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Besser ohne staatlichen TarifzwangArrow

Die sinkende Tarifbindung in Deutschland hat zu einer breiten politischen Debatte geführt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert die Politik zum Handeln auf. Ein Gastbeitrag von IW-Ökonom Hagen Lesch. mehr