Mehr als 400.000 Menschen kamen im vergangenen Jahr am 1. Mai zu den über 400 Einzelkundgebungen des DGB. Was einst als Kampftag für bessere Arbeitsbedingungen begann, ist heute mehr denn je ein Event: Musik, Unterhaltung und feurige Reden sollen den Menschen das Gefühl geben, dabei zu sein und für gute Arbeit einzutreten. Für die Gewerkschaften bietet der Tag die Gelegenheit, das angestaubte Image aufzupolieren.

Ob die Kritik an unserer Arbeitswelt allerdings dabei hilft, mehr Menschen davon zu überzeugen, Mitglied einer Gewerkschaft zu werden, darf bezweifelt werden: Neun von zehn Arbeitnehmer sind hierzulande mit ihrem derzeitigen Job vollauf zufrieden.

In anderen Ländern – nicht nur in den Textilfabriken Bangladeschs oder Indiens – gibt es hingegen eklatante Missstände, und Gewerkschaften werden daran gehindert, sich für Abhilfe einzusetzen. Kein anderer als der Tag der Arbeit böte also die Gelegenheit, dass sich die Arbeitnehmerbünde weltweit solidarisieren. Dazu gehören ein internationales Motto und der Blick über den europäischen Tellerrand hinaus.