Die Aktionen zum 1. Mai stehen diesmal unter dem Motto „Zeit für mehr Solidarität“. Die Kundgebungen fallen mitten in eine durch Warnstreiks im Öffentlichen Dienst und in der Metall- und Elektro-Industrie aufgeheizte Atmosphäre. Verdi und IG Metall mobilisieren Zehntausende, um nicht nur für höhere Löhne zu kämpfen, sondern auch, um neue Mitglieder zu gewinnen. Denn während die Zahl der Beschäftigten wächst, gelingt es den Gewerkschaften gerade mal, ihre Mitgliederzahlen zu stabilisieren.

Per Saldo schreitet der Bedeutungsverlust der Gewerkschaften indes weiter voran: Im vergangenen Jahr ging der Netto-Organisationsgrad – also der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer an allen Arbeitnehmern – auf 17,3 Prozent zurück. Im Jahr 2014 waren es noch 17,5 und 2012 sogar 20,6 Prozent gewesen.

So wichtig der Tag der Arbeit für das Selbstverständnis der Gewerkschaften weltweit noch immer ist, werden ihre Rekrutierungserfolge immer stärker auf anderen Spielfeldern bestimmt: Entscheidend sind die Kampagnen und sozialen Bewegungen, mit denen IG Metall, Verdi und Co. ganz gezielt bestimmte Beschäftigtengruppen als Mitglieder umwerben. Ob sich ein „Organisieren am Konflikt“ – wie aktuell praktiziert – langfristig auszahlen wird, bleibt indes abzuwarten.