Mit Warnstreiks in den Mai Image
Erst Verdi, jetzt die IG Metall – mit massiven Warnstreiks stimmen sich die Gewerkschaften auf den 1. Mai ein. Die Streiks sollen auch den Bedeutungsverlust der Gewerkschaften stoppen. Foto: EdStock/iStock

Die Aktionen zum 1. Mai stehen diesmal unter dem Motto „Zeit für mehr Solidarität“. Die Kundgebungen fallen mitten in eine durch Warnstreiks im Öffentlichen Dienst und in der Metall- und Elektro-Industrie aufgeheizte Atmosphäre. Verdi und IG Metall mobilisieren Zehntausende, um nicht nur für höhere Löhne zu kämpfen, sondern auch, um neue Mitglieder zu gewinnen. Denn während die Zahl der Beschäftigten wächst, gelingt es den Gewerkschaften gerade mal, ihre Mitgliederzahlen zu stabilisieren.

Per Saldo schreitet der Bedeutungsverlust der Gewerkschaften indes weiter voran: Im vergangenen Jahr ging der Netto-Organisationsgrad – also der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer an allen Arbeitnehmern – auf 17,3 Prozent zurück. Im Jahr 2014 waren es noch 17,5 und 2012 sogar 20,6 Prozent gewesen.

So wichtig der Tag der Arbeit für das Selbstverständnis der Gewerkschaften weltweit noch immer ist, werden ihre Rekrutierungserfolge immer stärker auf anderen Spielfeldern bestimmt: Entscheidend sind die Kampagnen und sozialen Bewegungen, mit denen IG Metall, Verdi und Co. ganz gezielt bestimmte Beschäftigtengruppen als Mitglieder umwerben. Ob sich ein „Organisieren am Konflikt“ – wie aktuell praktiziert – langfristig auszahlen wird, bleibt indes abzuwarten.

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21. Juni 2017

Adam Giza Gewerkschaften unter DruckArrow

Die Arbeitnehmervertretungen kommen zunehmend unter Druck. Nicht einmal mehr jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland war 2015 Mitglied in einer Gewerkschaft. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. mehr auf iwd.de

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IW-Gewerkschaftsspiegel, 8. Juni 2017

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Zur Schätzung des Anteils tarifgebundener Arbeitnehmer in Deutschland wurde bisher auf das IAB-Betriebspanel und die Verdienststrukturerhebung zurückgegriffen. Mit dem Sozio-oekonomischen Panel steht nun eine dritte Datenbasis zur Verfügung. Danach wurde 2015 knapp jeder zweite Arbeitnehmer nach einem Tarifvertrag bezahlt. mehr