Bei der Versorgungsdichte von Pflegefachkräften in Krankenhäusern lag Deutschland im Jahr 2018 im Vergleich zu OECD-Mitgliedstaaten im oberen Drittel. Dennoch wird hierzulande ein Fachkräftemangel beklagt – wie passt das zusammen? Dafür gibt es vor allem zwei Gründe:

1.    Deutschland ist neben Japan und Korea auch Spitzenreiter, wenn es um Krankenhausdichte und Krankenhausbettendichte geht. Damit verteilen sich die Pflegekräfte auf sehr viele Häuser. Zum Vergleich: Frankreich weist bei der Versorgungsdichte mit Pflegekräften ein ähnliches Niveau auf, hier kommen gut 37 Krankenhäuser auf eine Million Einwohner. In Deutschland sind es hingegen gut 45.

2.    Deutschland hat im OECD-Vergleich hohe Patientenzahlen – umgerechnet auf 100.000 Einwohner werden 60 Prozent mehr Patienten in Krankenhäusern behandelt als in Norwegen, das Spitzenreiter bei der Pflegepersonalausstattung ist. Rechnet man das Patientenaufkommen mit ein, so müssen in Deutschland Pflegekräfte im Durchschnitt deutlich mehr Patienten versorgen als in anderen OECD-Staaten – zumindest war dies vor der Corona-Pandemie der Fall. 

Warum in Deutschland schon vor der Pandemie so viele Menschen in Krankenhäusern behandelt wurden, ist nicht geklärt. Zwar ist die deutsche Bevölkerung vergleichsweise alt – entsprechend höher ist die Morbidität und damit die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Allerdings weisen Studien darauf hin, dass in Deutschland die Operationszahlen – selbst im Altersgruppenvergleich – hoch sind. Möglicherweise wird operiert, auch wenn es nicht notwendig ist. 

Ob Deutschlands Pflegepersonal für die zweite Welle gut gerüstet ist, hängt damit zusammen, wie viele Kapazitäten freigeräumt werden können, wie viele Krankenhausbehandlungen also unbedingt notwendig sind. 

Nicht gelöst bleibt das Problem, dass das Personal auf viele Kliniken verteilt ist – entsprechend wichtig ist die Zusammenarbeit der Kliniken. Gleichzeitig zeigt sich, wo in Zukunft Reformen ansetzen müssen.