Ein Blick zurück in die Zeiten, als es noch weniger Studienanfänger als Azubis gab, zeigt: Bereits von jenen, die 1992 ihr Studium aufnahmen, warfen 27 Prozent das Handtuch. Der Instrumentenkasten, um die Abbrecherquote zu reduzieren, ist dementsprechend schon lange bekannt: Mehr Studienberatung in den Schulen, Brückenkurse, um Wissenslücken zu schließen, eine bessere Betreuung und eine Didaktik, die Theorievermittlung mit Anwendungsbeispielen verknüpft.

Mehr Praxisbezug in der Theorievermittlung hilft im Übrigen nicht nur gegen Studienabbrüche, sondern auch dabei, dass das Studium besser auf den späteren Beruf vorbereitet. Schließlich beklagen die Unternehmen nicht erst seit Bologna, dass es die Absolventen viel zu selten schaffen, die theoretischen Kenntnisse in die Praxis umzusetzen – fast die Hälfte der Unternehmen hatte sich schon zu Diplom-Zeiten aus diesem Grund von einem akademischen Berufsanfänger getrennt.

Warum in Sachen Lehrqualität und Betreuung in den vergangenen Jahrzehnten dennoch so wenig passiert ist, hängt zentral damit zusammen, dass die Finanzierungsanreize in der Hochschullehre bislang nicht stimmen: Im Hochschulpakt fließt das Geld für jeden Studienanfänger. Ab 2016 soll nachgesteuert werden und immerhin 10 Prozent der Mittel sollen erst für erfolgreiche Absolventen vergeben werden. Eine überfällige Korrektur.

Allerdings werden mit diesem Geld die Mehrkosten für eine individuellere Betreuung und bessere Didaktik noch nicht finanziert. Hier gab es schon einmal bessere Zeiten: Rund 870 Millionen Euro konnten die staatlichen Hochschulen im Jahre 2008 zusätzlich einnehmen, als noch sieben Bundesländer Studiengebühren verlangten. Damals – das zeigen Evaluierungsberichte, die das Deutsche Studentenwerk zusammengestellt hat – gab es spürbare Verbesserungen der Ausstattung und der Lehrqualität an den Unis und FHs des Landes. Aber bevor diese Effekte langfristig wirken konnten, waren die Studiengebühren schon wieder Geschichte.