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Und es gibt noch mehr Erklärungen zur höheren Abgabenlast: 2011 sind die Beitragssätze zur Sozialversicherung deutlich gestiegen. So kletterten etwa der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung von 14,9 auf 15,5 Prozent und der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von 2,8 auf 3 Prozent. Von diesem Anstieg um insgesamt 0,8 Prozentpunkte mussten die Arbeitnehmer die Hälfte, also 0,4 Prozentpunkte tragen.

Besonders stark legte aber die Lohnsteuer zu – ein durchschnittlicher Arbeitnehmer zahlte 2011 etwa 300 Euro mehr als 2010. Verwunderlich ist das nicht, denn die Lohnsteuer ist eine progressive Steuer. Das bedeutet, dass der Steuersatz schneller steigt als das Einkommen. Und damit auch die Einnahmen für den Staat – im Durchschnitt fast doppelt so stark wie die zugrundeliegenden Löhne und Gehälter.

Außerdem ging 2011 dank der guten Konjunktur die Kurzarbeit weiter zurück. Kurzarbeitergeld ist steuerfrei und unterliegt nur einem Progressionsvorbehalt. Dadurch steigt automatisch das Lohnsteueraufkommen, sobald die Arbeitnehmer wieder regulär bezahlt werden. Von diesem Effekt war 2011 aber höchstens rund 1 Prozent aller Arbeitnehmer betroffen, so dass dies nicht der wesentliche Grund für das höhere Steueraufkommen sein kann.

Deshalb gilt für die Arbeitnehmer leider der in einem progressiven Steuersystem übliche Grundsatz: Wer mehr verdient, muss überproportional mehr Steuern zahlen. Nur bei der sogenannten kalten Progression handelt es sich um eine heimliche Steuererhöhung, die durch eine Steuersenkung ausgeglichen werden sollte. Dafür hat die Bundesregierung ein Gesetz vorgelegt, das aber von den Bundesländern abgelehnt wird.

Kurz erklärt: Kalte Progression

Die kalte Progression entsteht durch die Kombination aus progressivem Steuertarif und Inflation. Wenn ein Arbeitnehmer beim Lohn einen Inflationsausgleich erhält, zahlt er dadurch mehr Steuern, obwohl er sich nicht mehr leisten kann. Die kalte Progression tritt jedes Jahr erneut auf und zwar umso stärker, je höher die Inflationsrate ist. Deshalb sollte eine automatische Tarifanpassung beschlossen werden, um sie dauerhaft auszuschalten. Doch genau das soll bisher nicht passieren.

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