Steuerflucht Image
Quelle: apops - Fotolia

Die Schätzung der entgangenen Steuereinnahmen enthält vor allem die Ausfälle durch die Schattenwirtschaft, also Schwarzarbeit, und andere Arten der Steuerhinterziehung. Bei börsennotierten und international tätigen Großunternehmen kann aber wohl ausgeschlossen werden, dass sie sich daran beteiligen. Der Imageschaden wäre zu groß. Auch der Teil der Schätzung, der auf Steuervermeidung etwa durch Gewinnverlagerung beruht, lässt sich anzweifeln. Die Zahlen beruhen auf Schätzungen für Schweden und Großbritannien, und deren Mittelwert wurde einfach auf alle EU-Staaten übernommen.

Auf Deutschland lassen sich die Ergebnisse aber nicht ohne weiteres übertragen, denn Deutschland ist seit der Unternehmenssteuerreform 2008 Vorreiter bei der Bekämpfung von Gewinnverlagerungen. Mit Regelungen wie der Zinsschranke, der Hinzurechnungsbesteuerung und einem allgemeinen Missbrauchsparagrafen im Steuergesetz enthält das deutsche Steuerrecht bereits jene Maßnahmen, die die Industrieländerorganisation OECD zur Bekämpfung von Gewinnverlagerungen fordert. Das Bundesfinanzministerium hält das Ausmaß der Gewinnverlagerung deutscher Unternehmen deshalb für sehr gering.

Ausländische Konzerne wie die Suchmaschine Google und der Online-Versandhändler Amazon minimieren dagegen konsequent ihre Steuerlast in den EU-Ländern. Doch Deutschland hat ihnen gegenüber keine Steuerhoheit, weil die Unternehmen ihre Leistungen häufig von anderen EU-Staaten aus erbringen. Das schwedische Möbelhaus IKEA etwa koordiniert das Marketing für alle EU-Länder in seiner Europazentrale. Die dort erbrachten Dienstleistungen lässt sich die Zentrale von den Filialen vergüten. Dadurch entstehen die Gewinne nicht etwa in Deutschland, wo die Möbel verkauft werden, sondern eben in dem Land des Firmensitzes – und dort werden sie auch versteuert. Dies entspricht der international üblichen Besteuerungspraxis, die auch im Rahmen des OECD-Programms zur Bekämpfung von Gewinnverlagerungen nicht geändert werden dürfte. Die Hoffnung der Landesregierung Baden-Württembergs auf hohe Steuermehreinnahmen ist daher illusorisch.

Vertrauen schaffen heißt Soli abschaffen
Gastbeitrag, 7. November 2017

Tobias Hentze auf makronom.de Vertrauen schaffen heißt Soli abschaffenArrow

Der Solidaritätszuschlag hat über viele Jahre den Aufbau Ost finanziert. Doch fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung hat der Soli seine Daseinsberechtigung verloren. Deshalb ist seine Abschaffung ein logischer Schritt, den eine neue Bundesregierung gehen sollte – und dank voller Kassen auch kann, schreibt IW-Ökonom Tobias Hentze in einem Gastbeitrag auf makronom.de. mehr

Jamaika-Koalition: Viel mehr als eine Notlösung
Gastbeitrag, 24. Oktober 2017

Tobias Hentze auf n-tv.de Jamaika-Koalition: Viel mehr als eine NotlösungArrow

In der Finanz- und Wirtschaftspolitik trennen Union, FDP und Grüne Welten - zumindest auf den ersten Blick. Bei näherer Betrachtung ist die Basis aber größer, als die Parteien zugeben, schreibt IW-Ökonom Tobias Hentze in einem Gastbeitrag auf n-tv. mehr

IW policy paper
IW policy paper, 19. Oktober 2017

Tobias Hentze / Michael Voigtländer Reformoptionen für die Grunderwerbsteuer Arrow

Die Grunderwerbsteuer weist spezifische Probleme auf: So belastet die Grunderwerbsteuer den Neubau, sie stellt ein Hemmnis für den Vermögensaufbau weniger wohlhabender Haushalte dar und sie führt zu Diskriminierungen zwischen privaten Käufern und Käufern von Unternehmensanteilen. mehr