Denn als wäre die Bedrohung durch die rasant steigenden chinesischen Importe – im Jahr 2015 beliefen sich diese schon auf 6,9 Millionen Tonnen, nach 4,5 Millionen Tonnen im Vorjahr – nicht schon groß genug, setzen auch neue energiepolitische Vorgaben die europäische Stahlindustrie unter Druck. Der Wirtschaftszweig ist etwa dreimal so energieintensiv wie der Durchschnitt der Industriebranchen und hat es deshalb besonders schwer, Zusatzbelastungen in Form von Förderzuschlägen für erneuerbare Energien und den europäischen CO2-Emissionshandel zu schultern. Auch deshalb haben Metallerzeuger in den vergangenen 15 Jahren keine Neuinvestitionen am Standort Deutschland getätigt – im Gegenteil: Die Unternehmen haben die Abschreibungen nicht einmal vollständig reinvestiert.

Trotzdem arbeitet die EU unbeirrt an einer weiteren Verteuerung des CO2-Ausstoßes. Während aktuell noch nahezu die gesamten für die Stahlverhüttung notwendigen Zertifikate kostenlos zugeteilt werden, ist in den nächsten Jahren eine kontinuierliche Verknappung geplant. In der Folge droht die Stahlverhüttung in Europa vollends unrentabel zu werden und die verbliebenen Stahlwerke – egal ob Elektroöfen zur Stahlerzeugung aus Schrott oder Hochöfen zur Verhüttung von Eisenerz – müssten nach und nach schließen. Damit würde eine Branche wegbrechen, die allein in Deutschland noch 120.000 Arbeitsplätze bietet.

Wichtiger ist aber, dass die Stahlindustrie am Anfang relevanter Wertschöpfungsketten steht. Die für Deutschland so wichtigen Zweige der Autoindustrie und des Maschinenbaus sind auf eine sichere und qualitativ hochwertige Versorgung mit Stahl und Gießereierzeugnissen angewiesen. Diese wäre bei einer zunehmenden Abhängigkeit vom Lieferanten China nicht mehr gewährleistet. Auch klimapolitisch wäre die Substitution eigener, in effizienten Anlagen hergestellter Stahlprodukte durch Importe aus vielfach veralteten Stahlwerken in China, Russland oder Indien mit höherer Umweltbelastung widersinnig.

Beim Thema Energiekosten müssen die EU und die Regierungen der Mitgliedsstaaten deshalb ebenso wie beim Dumping, mit dem China und Co. ihre Überschüsse losschlagen wollen, zwingend auf faire Wettbewerbsbedingungen hinwirken, um Wertschöpfungsketten sowie Arbeitsplätze zu erhalten und gleichzeitig einen höheren CO2-Ausstoß zu verhindern.