Stabilitäts- und Wachstumspakt Image
EU-Kommissionspräsident Juncker könnte den Stabilitäts- und Wachstumspakt weiter aufweichen. Foto: European People's Party

Die südeuropäischen Staaten erhöhen weiter den Druck: Am vergangenen Wochenende trafen sich die Vertreter von sechs mediterranen EU-Staaten – darunter Frankreich, Italien und Griechenland – in Athen und forderten einmal mehr, die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspaktes aufzuweichen. Sie positionieren sich damit klar gegen die Mehrheit der EU-Mitglieder in Nord- und Mitteleuropa.

Vor allem der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi verlangt mehr Spielraum in der Steuerpolitik. Vor der anstehenden Volksabstimmung über eine Verfassungsreform, mit der die Macht des Senats beschränkt werden soll, um künftig Reformen zu erleichtern, scheint Renzi noch schnell teure Wahlgeschenke verteilen zu wollen. Dabei hat Italien bereits seit 2015 von der flexibleren Auslegung der Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspaktes im Umfang von 0,5 Prozent des BIP profitiert. Noch mehr Spielraum darf es nicht geben.

Doch Jean Claude Juncker könnte geneigt sein, den Forderungen nachzugeben – trotz erheblichen Widerstands in der Kommission selbst. Juncker würde damit zum wiederholten Male die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspaktes aufweichen. Das ohnehin angeschlagene Image der EU in Nord- und Osteuropa würde weiter Schaden nehmen und die Union wieder einmal vor eine Zerreißprobe stellen. Zuletzt hat Juncker seinen Einfluss im Juli geltend gemacht, indem er sich gegen den Widerstand vieler EU-Staaten dafür einsetzte, dass die fiskalischen Verstöße von Spanien und Portugal nicht sanktioniert wurden.

Gerade wenn Politiker Wahlgeschenke verteilen wollen, erweisen sich verlässliche Fiskalregeln in der EU als unverzichtbar. Doch nicht nur aus politischen Gründen sind die Regeln des Paktes sinnvoll: Bei einem so hoch verschuldeten Land wie Italien – der Schuldenstand lag 2015 bei 2.172 Milliarden Euro oder 133 Prozent des BIP – reicht es nicht, wenn das öffentliche Defizit unter der Drei-Prozent-Marke liegt. Vielmehr muss Italien sehr bald einen ausgeglichenen Staatshaushalt bei normaler Konjunkturlage erreichen, wie es die Fiskalregeln vorsehen. Sonst hat das Land in der nächsten Krise keinen Spielraum, um ausreichende Konjunkturprogramme zu beschließen und so die Wirtschaft zu stabilisieren.

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Bund, Länder, Gemeinden und Sozialkassen nahmen 2016 rund 24 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben – ein neuer Rekord. Trotzdem bleibt der öffentliche Schuldenstand nahezu unverändert hoch. Die Politik sollte die derzeitigen Überschüsse nutzen, um für langfristige Herausforderungen gewappnet zu sein – etwa durch einen Demografie-Fonds. mehr

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Es erscheint als ein Luxusproblem für die Politik: Wohin mit den Überschüssen in den öffentlichen Haushalten? Schulden tilgen, Investitionen erhöhen? Bei genauem Hinsehen ist eine Option den anderen überlegen: Die Zeit ist reif für eine Steuerentlastung, die diesen Namen verdient. Ein Gastbeitrag von IW-Ökonom Tobias Hentze im Online-Magazin für Wirtschaftspolitik makronom.de. mehr

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Seit Jahren schlittert die Europäische Union von einer Krise in die andere – vorläufiger Höhepunkt war das Brexit-Votum im vergangenen Jahr. Doch trotz aller Widrigkeiten: Die Mehrheit der Europäer hält den Euro für eine gute Sache. mehr auf iwd.de