In der kommenden Woche tagt der EZB-Rat und entscheidet über den weiteren geldpolitischen Kurs – möglicherweise aber nicht, um die Inflation einzudämmen. Dabei sprechen die Daten für ein Anziehen der Nachfrage und damit auch der Inflation. So hat die Kreditvergabe an Unternehmen in den vergangenen beiden Jahren stetig zugenommen und lag im Januar 2017 um 1,7 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Arbeitslosenquote im Euroraum zeigt dagegen seit zwei Jahren einen fallenden Trend, und das Wirtschaftswachstum des Euroraums liegt aktuell auf Vorkrisendurchschnitt. Zudem haben die Ölpreise deutlich angezogen, so dass auch die Energiekosten zulegen dürften. Insgesamt also Grund genug für die EZB, ihren expansiven Kurs in der Geldpolitik zu korrigieren.

Bislang waren die Währungshüter jedoch sehr zurückhaltend: Auf ihrer letzten Sitzung beschlossen sie lediglich, in reduziertem, aber weiterhin großen Umfang Wertpapiere anzukaufen. Bis zum Jahresende sollen monatlich 60 Milliarden Euro dafür ausgegeben werden. Für eine Beendigung der Wertpapierkäufe sahen die Notenbanker erst einmal keinen Grund: Sie halten den Anstieg der Kerninflationsrate, bei der die Energiepreise ausgeklammert sind, für zu gering.

Diese Ansicht überrascht, denn als sich im Euroraum Ende 2014 erste Deflationsgefahren zeigten, lag die Kerninflationsrate immerhin noch bei 0,7 Prozent. Die Deflationssorgen beruhten damals darauf, dass die gesunkenen Energiepreise im Laufe der Zeit auch die anderen Preise herunterziehen könnten. Seit Beginn der Wertpapierankäufe im März 2015 ist die Kerninflationsrate aber von 0,6 auf 0,9 Prozent gestiegen.

Nun sollte es der EZB zu denken geben, dass die im Januar 2017 um 8 Prozent gestiegenen Energiepreise auf die anderen Preise durchschlagen. Sie sollte deshalb schon heute gegensteuern und die Zinsen behutsam anheben – bevor die anziehende Inflation große Zinsschritte erfordert.