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Rentenversicherung Quelle: contrastwerkstatt – Fotolia

Nach dem vorliegenden Gesetzesentwurf können langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren demnächst mit 63 Jahren abschlagfrei in den Ruhestand gehen. Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld I sollen dabei angerechnet werden. Besonders schlaue Oberstrategen wittern nun Gefahr: Arbeitgeber könnten auf die Idee verfallen, ihren älteren Mitarbeiter nach dem 61. Geburtstag zu kündigen. Die würden dann bis zur Vollendung des 63. Lebensjahres auf Kosten der Bundesagentur für Arbeit versorgt, um danach abschlagfrei in den Vorruhestand zu wechseln.

Ein solches Kalkül zu unterstellen, zeugt von wenig ökonomischen Sachverstand. Denn in Zeiten drohender Fachkräfteengpässe haben die Unternehmen wohl kaum ein Interesse daran, gut ausgebildete und erfahrene Mitarbeiter vorzeitig in den Ruhestand zu schicken. Das Gegenteil ist der Fall, wie der weit überdurchschnittliche Zuwachs der Erwerbstätigen in der Altersgruppe 55plus seit 2005 dokumentiert.

Umgekehrt wird aber ein Schuh draus: Wenn die geplante Reform den erfahrenen Facharbeitern den Weg zu einem vorzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben ebnet, kann das eine empfindliche Lücke in die Belegschaft der Unternehmen reißen. Statt die Arbeitgeber aufs Korn zu nehmen, sollte die Bundesministerin für Arbeit und Soziales deshalb eher den falschen Anreiz zur Frühverrentung korrigieren.

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SPD-Rentenkonzept
IW-Nachricht, 7. Juni 2017

Jochen Pimpertz SPD-Rentenkonzept: Versprechen zulasten der JungenArrow

Mit einem stabilen Rentenniveau und einer Solidarrente will die SPD die Zustimmung zur Gesetzlichen Rentenversicherung sichern. Kanzlerkandidat Martin Schulz will das mit einem höheren Steuerzuschuss und durch die steigende Produktivität in der digitalen Arbeitswelt finanzieren. Doch am Ende müssen wohl vor allem die jüngeren Erwerbstätigen die Zeche zahlen. mehr

Vom höheren Rentenniveau profitieren vor allem die Reichen
Gastbeitrag, 2. Juni 2017

Jochen Pimpertz auf Focus Online „Vom höheren Rentenniveau profitieren vor allem die Reichen”Arrow

Die Politik hat den Wählern einige Vorschläge gemacht, wie das Rentenniveau über das Jahr 2030 hinaus gehalten werden soll. Doch dabei werden die Folgen oft völlig vergessen. Denn gut gemeint heißt nicht gut gemacht. Ein Gastbeitrag von IW-Ökonom Jochen Pimpertz auf Focus Online. mehr