Mit dem Rentendialog will Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles die Grundlage dafür schaffen, die Alterssicherung in Deutschland fundamental zu reformieren. Doch bereits mit dem Beginn des Dialogs gibt es in der SPD Forderungen, dass Rentenniveau auf 50 Prozent zu erhöhen.

Das macht inhaltlich keinen Sinn: Laut dem aktuellen Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung wird das Sicherungsniveau vor Steuern zwar von derzeit 47,5 Prozent auf 44,6 Prozent im Jahr 2029 sinken. Doch das ist ein notwendiger Schritt, um den Anstieg des Beitragssatzes auf voraussichtlich 21,5 Prozent zu beschränken. Stiege das Rentenniveau stattdessen auf 50 Prozent, wären im Jahr 2029 rund 52 Milliarden Euro mehr zu schultern, als aktuell erwartet.

Entsprechend müsste sich auch der Beitragssatz deutlich erhöhen – ohne Not, denn zur besseren Armutsprävention taugt ein höherer Beitragssatz kaum: Viele Rentner würden profitieren, obwohl sie gar nicht bedürftig sind. Aktuell sind nämlich nur 2,5 Prozent der gesetzlichen Rentner auf die Grundsicherung im Alter angewiesen. Das sind etwas weniger als im Durchschnitt der Altersgruppe 65+ mit 3 Prozent und deutlich weniger als im Bevölkerungsdurchschnitt mit 9,2 Prozent.

Ein höheres Versorgungsniveau würde aber auch nicht in jedem Bedarfsfall helfen. Denn ein Sicherungsniveau von 47,5 statt 50 Prozent führt nicht zwangsläufig zu einem Einkommen, das ein Leben ohne steuerfinanzierte Hilfen ermöglicht.

Fest steht lediglich, wer die Zeche des 50-Prozent-Vorschlags zahlen müsste: die jüngeren Beitragszahler. Denn die bis zum Jahr 2030 festgeschriebene Obergrenze für den Beitragssatz von 22 Prozent würde mit einer höheren Rentenauszahlung vorzeitig gerissen.

Deshalb sollte die Regierung ihre Hilfen lieber dort konzentrieren, wo Armutsrisiken nachhaltig bekämpft werden können – durch die Integration Langzeitarbeitsloser in den Arbeitsmarkt.