Rente mit 63 Image
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Die Bundesarbeitsministerin hält an ihren Plänen zu einer abschlagfreien Rente mit 63 Jahren für besonders langjährig Versicherte fest. Und das, obwohl inzwischen selbst der Bundesregierung dämmert, dass die Pläne eine neue Frühverrentungswelle lostreten könnten. Aber statt das Vorhaben (selbst)kritisch zu hinterfragen, wird nach anderen Schuldigen gesucht. So will Andrea Nahles die Arbeitgeber mit einer Erstattungspflicht belegen: Unternehmen sollen das fällige Arbeitslosengeld der Bundesagentur für Arbeit erstatten, wenn sie Mitarbeiter mit 61 Jahren entlassen und diese dann mit 63 Jahren abschlagfrei in den Ruhestand gehen.

Doch Unternehmen haben in Zeiten drohender Fachkräfteengpässe kaum Interesse daran, in großem Stile erfahrene Mitarbeiter zu kündigen. Und selbst wenn man ein Interesse an der Verjüngung der Belegschaft unterstellt, gibt es die vermeintliche Missbrauchsgefahr nicht. Denn die Personaler in den Lohnbüros sind gar nicht darüber informiert, wer die erforderlichen 45 Beitragsjahre aufweist und wer nicht – es sei denn, der Arbeitnehmer war ein Leben lang im gleichen Betrieb tätig.Entsprechend entsteht der Frühverrentungsanreiz viel eher auf Seiten der Versicherten.

Wenn Ministerin Nahles Missbrauch wirklich verhindern will, hat sie dafür eine ganz einfache Möglichkeit: Wenn sie schon eine vorgezogene abschlagfreie Rente mit allen verheerenden Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Rentensystem einführt, dann zumindest ohne Anrechnung von Zeiten der Arbeitslosigkeit.

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Be careful with benchmarking in pension policy
IW-Nachricht, 17. März 2017

Pension Systems Be careful with benchmarking in pension policyArrow

The Eurogroup will look into the possibility of introducing benchmarking in pension policy. Most European pension systems face a similar demographic challenge. Yet, they differ in many aspects. If this is not taken into account, a benchmarking process is likely to fail its purpose. mehr

14. März 2017

Sozialpolitik Agenda 2010 – die Reformen in der gesetzlichen RentenversicherungArrow

Die Agenda 2010 verbinden heute viele Menschen hauptsächlich mit „Hartz IV“. Dabei hat die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder ab dem Jahr 2003 nicht nur auf dem Arbeitsmarkt Reformen angestoßen. Auch in der Rentenversicherung gab es zahlreiche Neuerungen, von denen das IW Köln die wichtigsten auflistet und bewertet hat. mehr auf iwd.de

IW policy paper, 14. März 2017

Jochen Pimpertz Kosten der schwarz-roten Rentenpolitik – eine HeuristikArrow

Die Bundestagswahl 2017 wirft ihre Schatten voraus. Das kommt auch in den unterschiedlichen Argumenten zur gesetzlichen Rentenversicherung zum Ausdruck, die die Vertreter der verschiedenen Parteien und Interessengruppen derzeit in den Medien vortragen. Jochen Pimpertz hat drei aktuelle Fragen zur schwarz-roten Rentenpolitik aufgegriffen. mehr