Im Ausbildungsjahr 2016/2017 sind so viele Ausbildungsstellen wie noch nie unbesetzt geblieben: Für 48.900 Plätze fanden sich keine passenden Bewerber. Dabei suchen Unternehmen händeringend berufliche qualifizierte Fachkräfte und bieten daher immer mehr Ausbildungsplätze an. 2017 gab es knapp 100.000 betriebliche Ausbildungsplätze mehr als noch 2010. Allerdings haben viele Unternehmen Probleme, ihre angebotenen Stellen auch zu besetzen. Das liegt nicht unbedingt an zu hohen Ansprüchen an die Schulabschlüsse der Bewerber: Erstmals wurde 2017 in der Statistik der BA der von Arbeitgebern erwartete Schulabschluss ausgewiesen. Demnach fordert die Hälfte aller Unternehmen von Bewerbern mindestens einen Hauptschulabschluss, 36,8 Prozent mindestens einen Realschulabschluss, 7,2 Prozent die Fachhochschulreife und nur 1,5 Prozent verlangen die allgemeine Hochschulreife.

Gleichzeitig blieben 23.700 Interessenten ohne Stelle. Mehr als 90 Prozent der unversorgten Bewerber haben sogar einen höheren als den geforderten Schulabschluss. Insgesamt haben 27,5 Prozent aller Bewerber die Fachhochschulreife oder Abitur. Aber auch Noten, Fehltage und Sozialverhalten sind für Unternehmen bei der Bewerberauswahl entscheidend. Als weitere Ursachen für die wachsenden Ungleichgewichte spielen neben regionalen Ungleichgewichten – in Süddeutschland, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und im Saarland wurden mehr Stellen als Bewerber gemeldet, in Berlin, NRW und Hessen hingegen mehr Bewerber als Stellen – die Berufswünsche der Jugendlichen eine große Rolle. Diese entsprechen häufig nicht den angebotenen, noch offenen Stellen.

Die Bewerberzahl könnte unter anderem durch bessere Informationen für Schüler an Schulen gesteigert werden, die zur Fachhochschulreife oder dem Abitur führen: Befragungen unter Oberstufenschüler zeigen, dass sich gerade mal 38,9 Prozent aller Abiturienten über eine Ausbildung gut informiert fühlen. Hier sind Schulen und Unternehmen gefragt, noch aktiver zur Berufsorientierung beizutragen – sei es über Praktika, Schulkooperationen oder weitere Informationsangebote, die sich an Schüler, Lehrer aber auch Eltern richten können.

Neben der steigenden Zahl an Abiturienten kommen auch immer mehr geflüchtete junge Menschen auf dem Ausbildungsmarkt an. Allerdings kennt gerade einmal jedes dritte Unternehmen ausbildungsbegleitende Hilfen die Einstiegsqualifizierung oder das Programm Berufsorientierung für Flüchtlinge, das das Bundesinstitut für Berufsbildung anbietet. Auch andere Programme, die sich auch an sozialbenachteiligte Jugendliche oder Jugendliche mit Migrationshintergrund wenden, sind wenig bekannt. Hier müssen die BA wie auch die verantwortlichen Bundes- und Landesministerien die Programme stärker bewerben, indem sie Unternehmen und Multiplikatoren wie Verbände zielgruppengerecht über zentrale Ansprechpartner informieren. Zugleich müssen sie regelmäßig überprüfen, ob ihre Programme auch auf die Bedürfnisse der Unternehmen angepasst sind. So könnte beispielsweise eine zeitlich flexiblere Ausgestaltung der Einstiegsqualifizierung dieses etablierte Instrument für weitaus mehr Unternehmen attraktiv machen.