Wenn Ratingagenturen bestimmte Wertpapiere negativ bewerten, hat das für die Finanzmärkte weitreichende Konsequenzen. Sowohl wegen gesetzlicher Vorgaben als auch wegen eigener Anlageregeln reagieren viele Investoren auf eine Herabstufung mit Kaufzurückhaltung oder dem Verkauf der entsprechenden Papiere. Denn Investoren sind verpflichtet, nach einer Herabstufung mehr Eigenkapital pro Euro Engagement vorzuweisen. Wenn den Investoren neues Eigenkapital zu teuer ist, dann reduzieren sie ihr Engagement. Dadurch fallen die Wertpapierpreise, was schlimmstenfalls die Situation verschärft, da sich die Finanzierungsbedingungen für den Schuldner verschlechtern.

Die Ratingagenturen sitzen dabei in einer Zwickmühle: Wenn sie zu frühzeitig warnen, dann wirft man ihnen vor, dass sie Panik schüren. Wenn sie zu lange warten, dann wirft man ihnen vor, sie würden die schlechte Lage verschärfen. Aus Sicht der Betroffenen gibt es also keinen optimalen Zeitpunkt.

Das eigentliche Problem liegt jedoch nicht bei den Ratingagenturen – jedenfalls nicht in der aktuellen Krise. Vielmehr hat sich der Finanzmarkt immer noch nicht vom letzten Schock erholt. Den Finanzinstituten fehlt das nötige Eigenkapital, um Wertberichtigungen leichter zu verkraften. Als wenig hilfreich erweist sich auch das Festhalten an gesetzlichen Automatismen wie etwa der Regel, dass nach einer Herabstufung mehr Eigenkapital eingebracht werden muss.