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Wenn Ratingagenturen bestimmte Wertpapiere negativ bewerten, hat das für die Finanzmärkte weitreichende Konsequenzen. Sowohl wegen gesetzlicher Vorgaben als auch wegen eigener Anlageregeln reagieren viele Investoren auf eine Herabstufung mit Kaufzurückhaltung oder dem Verkauf der entsprechenden Papiere. Denn Investoren sind verpflichtet, nach einer Herabstufung mehr Eigenkapital pro Euro Engagement vorzuweisen. Wenn den Investoren neues Eigenkapital zu teuer ist, dann reduzieren sie ihr Engagement. Dadurch fallen die Wertpapierpreise, was schlimmstenfalls die Situation verschärft, da sich die Finanzierungsbedingungen für den Schuldner verschlechtern.

Die Ratingagenturen sitzen dabei in einer Zwickmühle: Wenn sie zu frühzeitig warnen, dann wirft man ihnen vor, dass sie Panik schüren. Wenn sie zu lange warten, dann wirft man ihnen vor, sie würden die schlechte Lage verschärfen. Aus Sicht der Betroffenen gibt es also keinen optimalen Zeitpunkt.

Das eigentliche Problem liegt jedoch nicht bei den Ratingagenturen – jedenfalls nicht in der aktuellen Krise. Vielmehr hat sich der Finanzmarkt immer noch nicht vom letzten Schock erholt. Den Finanzinstituten fehlt das nötige Eigenkapital, um Wertberichtigungen leichter zu verkraften. Als wenig hilfreich erweist sich auch das Festhalten an gesetzlichen Automatismen wie etwa der Regel, dass nach einer Herabstufung mehr Eigenkapital eingebracht werden muss.

Veranstaltung
Veranstaltung, 23. November 2017

20. Finanzmarkt Round-Table Der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik – Erlösung oder neuer Schock?Arrow

Während die einen ein schnelles Ende des Niedrigzinses herbeisehnen, befürchten andere einen neuen Schock mit Rückwirkungen auf die Stabilität der Finanzmärkte. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln, die DekaBank und die Börsen-Zeitung laden ein zum 20. Finanzmarkt Round-Table in Frankfurt am Main. mehr

Markus Demary in LSE Business Review
Gastbeitrag, 20. September 2017

Markus Demary in LSE Business Review The US should not roll back financial regulation Arrow

The Dodd-Frank Act is not perfect, but it's a framework that can mitigate systemic risks, writes Markus Demary, senior economist in the research unit financial and real estate markets at the Cologne Institute for Economic Research (Institut der deutschen Wirtschaft Köln). mehr