Deutschlands Gebäude sind schlecht isoliert. Rund 62 Prozent aller Wohngebäude wurden vor mindestens 40 Jahren gebaut, und damit deutlich vor der ersten Wärmeschutzverordnung. Weniger als ein Prozent aller Gebäude werden jährlich saniert und modernisiert – folglich befinden sich die meisten dieser 19 Millionen alten Gebäude aus energetischer Sicht in einem schlechten Zustand. Die Fenster sind dünnglasig, Dächer und Außenwände schlecht gedämmt, Heizungen alt und ineffizient. 

Ziel: Attraktiv und unbürokratisch

Energetische Sanierungen sind teuer und rechnen sich oft erst nach vielen Jahren, das schreckt Eigentümer ab. Dabei geht durch die schlecht isolierten Gebäude viel Energie verloren – deshalb müssen die Gebäude dringend saniert werden, wenn Deutschland seine Klimaschutzziele nicht ganz aus den Augen verlieren will. „Dafür brauchen wir unbedingt auch eine steuerliche Förderung, die Eigentümer dazu bewegt, hochwertig zu modernisieren“, sagt IW-Ökonom Ralph Henger. „Um die Klimaziele bis 2050 zu erreichen, muss diese Förderung einfach sein und langfristig bestehen bleiben.“ Bisher können sich Eigentümer über die KfW oder vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) unterstützen lassen, allerdings sind die Anträge oft aufwendig. 

Kein finanzieller Ausgleich in Sicht

Die Forderung nach steuerlicher Unterstützung für Gebäudesanierungen ist nicht neu. Bereits 2011 ist eine Gesetzesinitiative – nachdem sie den Bundestag schon passiert hatte – im Bundesrat gescheitert. Das größte Problem: Bundesländer, die finanziell nicht gut aufgestellt sind, pochen darauf, dass sie vom Bund entschädigt werden, wenn ihnen durch die steuerliche Förderung Verluste entstehen. Bislang hat Berlin jedoch kaum finanzielle Zugeständnisse gemacht. Kredite können die Länder auch nicht aufnehmen, weil ihnen die Schuldenbremse auferlegt wurde. „Nach den vielen Hin und Her sollte die Förderung nun endlich umgesetzt werden“, sagt Henger. „Über Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit besteht längst Konsens. Jetzt ist es Zeit, zu handeln.“