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Mit dem Streik bei Post und DHL tut sich Verdi keinen Gefallen. Quelle: Petair – Fotolia

Der aktuelle Verdi-Streik findet ohne Urabstimmung statt. Diese mangelnde Legitimierung rechtfertigt die Gewerkschaft damit, dass sie bei der Deutschen Post gut organisiert sei und über genügend Rückhalt verfüge. Das erklärt wohl auch, warum Verdi nur bei der Post und nicht bei der Konkurrenz für höhere Löhne kämpft - dort mangelt es der Gewerkschaft nämlich schlichtweg an Schlagkraft. Damit verkommt der Arbeitskampf aber zu einer unnötigen Machtprobe, die dem Unternehmen, der Gewerkschaft und den Beschäftigten gleichermaßen schadet.

Denn eines steht außer Frage: Die Deutsche Post hat im Paketgeschäft auf lange Sicht betrachtet ein Kostenproblem. Um den eigenen Marktanteil von derzeit 42 Prozent – und damit auch den Beschäftigungsstand - zu halten, muss der „gelbe Riese“ seine Produktivität steigern und/oder Kosten senken. Dazu wurde kräftig in die Verteilzentren investiert. Nun sollen Mitarbeiter, die bislang befristet zum Haustarifvertrag eingestellte waren, entfristet bei einer der neuen Regionalgesellschaften unter dem Dach der „DHL Delivery“ beschäftigt werden. Dort werden sie aber nicht mehr nach dem Haustarifvertrag bezahlt, sondern nach dem jeweils gültigen regionalen Logistiktarifvertrag.

Laut Haustarifvertrag der Deutschen Post liegt der Einstiegslohn für einen Brief- und Paketzusteller ohne Zuschläge, Urlaubs- und Weihnachtsgeld bei monatlich 1.970 Euro (Entgeltgruppe 3). Das entspricht bei einer 38,5-Stunden-Woche einem Stundenlohn von 11,82 Euro. Innerhalb der Entgeltgruppe 3 gibt es sieben Entwicklungsstufen. Dadurch wächst der Lohn automatisch, nach 15 Beschäftigungsjahren liegt er bei 15,43 Euro je Stunde. Die Logistiktarifverträge sehen Stundenlöhne zwischen 10,09 (Mecklenburg-Vorpommern) und 17,74 Euro (Nordbaden/Württemberg) vor. Hier gibt es keine automatischen Lohnanpassungen. Schon diese einfachen Fakten zur Grundvergütung – sie wird noch durch Zuschläge, Leistungsprämien, Urlaubs- und Weihnachtsgeld aufgestockt – zeigt: Eine Entfristung bei veränderter Vergütungsstruktur ist für viele Paketzusteller durchaus attraktiv und stellt sie keinesfalls schlechter.

Und: Im Vergleich mit den Wettbewerbern im Paketgeschäft ist die Bezahlung immer noch gut. Laut Lohnspiegel liegt der Stundenlohn einschließlich der Zuschläge und sonstiger Zahlungen bei Paketzustellern im Durchschnitt – also von der Post und ihren Konkurrenten – bei 12,90 Euro. Der nach dem Logistiktarifvertrag NRW bezahlte Zusteller bekommt im Stundengrundlohn schon 12,29 Euro.

Tarifkonflikte bei der Deutschen Post

Die Konfliktintensität ergibt sich aus der Summe der jeweils in einer Verhandlungsrunde erreichten Eskalationsstufen (0=Tarifverhandlung; 1=Streikdrohung; 2=Abbruch der Verhandlungen; 3=Streikaufruf; 4=Warnstreik; 5=Scheitern und Schlichtung/juristische Auseinandersetzung; 6=Scheitern und Urabstimmung/Scheitern und Streik, 7=Arbeitskampf)

Ansprechpartner

21. Juni 2017

Adam Giza Gewerkschaften unter DruckArrow

Die Arbeitnehmervertretungen kommen zunehmend unter Druck. Nicht einmal mehr jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland war 2015 Mitglied in einer Gewerkschaft. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. mehr auf iwd.de

Gewerkschaftsspiegel, 8. Juni 2017

Paula Hellmich / Hagen Lesch DGB-Organisationsgrad: Nordwesten stärker, Südosten schwächerArrow

Ende 2015 zählten die acht im DGB zusammengeschlossenen Einzelgewerkschaften zusammen über 6 Millionen Mitglieder. Die Hälfte davon verteilt sich auf die drei großen Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Am stärksten sind die DGB-Gewerkschaften jedoch im Saarland und in Bremen, am schwächsten in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. mehr