Pilotenstreik Image
Das Verhandlungsklima zwischen Lufthansa und der Gewerkschaft Cockpit ist besonders schlecht. Quelle: Whitelook/Fotolia

Die Bewertung des laufenden Pilotenkonfliktes anhand des IW-Konfliktbarometers zeigt: Das Verhandlungsklima zwischen Lufthansa und der Gewerkschaft Cockpit ist besonders schlecht. Die seit April 2012 laufende Auseinandersetzung kommt inzwischen auf 108 Konfliktpunkte. Dieser Wert ist doppelt so hoch wie der erste große Konflikt zwischen Piloten und Unternehmen aus dem Jahr 2001, der auf 58 Punkte kam. Damals ging es für Cockpit darum, erstmals einen eigenen Tarifvertrag durchzusetzen. Eine Auswertung von 157 Tarifkonflikten in zwölf Branchen seit dem Jahr 2000 zeigt, dass es bislang nur eine Auseinandersetzung gegeben hat, die noch stärker eskaliert ist: Die GDL kam in ihrem 22-monatigen Zwist mit den Privatbahnen in den Jahren 2010 bis 2012 auf 124 Punkte.

Das vom IW Köln entwickelte Barometer misst die Konfliktintensität von Tarifverhandlungen nicht nur daran, ob es zum Streik kommt. Das Konzept berücksichtigt beispielweise auch, ob die Verhandelnden mit Streiks drohen oder Tarifverhandlungen abbrechen. Damit bildet es nicht nur das Verhandlungsklima besser ab, sondern berücksichtigt auch, dass sich Konflikte lange hinziehen und Unternehmen dabei immer wieder mit Störungen des Produktionsablaufs rechnen müssen.

Die größten Tarifkonflikte seit 2000

Stand: 7.9.2015; Untersuchungsbasis: 157 Tarifkonflikte aus zwölf Branchen seit 2000.

Die Konfliktintensität misst anhand einer Eskalationspyramide, wie konfliktintensiv eine Tarifauseinandersetzung verläuft. Dabei werden bei Erreichen bestimmter Eskalationsstufen Maluspunkte vergeben: Streikdrohung/Aussperrungsdrohung=1 Punkt; Abbruch der Verhandlungen=2 Punkte; Streikaufruf=3 Punkte; Warnstreik=4 Punkte; Scheitern und Schlichtung sowie juristische Auseinandersetzungen=5 Punkte; Scheitern und Urabstimmung oder Scheitern und Streikankündigung=6 Punkte; Streik und Aussperrung=7 Punkte. Treten die einzelnen Merkmale im Verlauf einer Tarifauseinandersetzung mehrfach auf, werden diese kumuliert.

*Alternative Berechnung: Wegen finalen Produktionsausfalls werden hier Streikaufruf und Warnstreik mit 7 Punkten bewertet.

Ansprechpartner

Schlichtung ist weiterhin nötig
IW-Nachricht, 20. März 2017

Tarifverhandlungen Berliner Flughäfen Vermitteln reicht nichtArrow

Nachdem die Tarifverhandlungen für das Bodenpersonal an den Berliner Flughäfen gescheitert sind, soll nun der ehemalige Berliner Innensenator Ehrhart Körting vermitteln. Dieser Schritt ist richtig, reicht aber nicht aus. Denn im Gegensatz zu einem Schlichter nimmt Körting als Mediator keinen inhaltlichen Einfluss auf die Verhandlungen. mehr

IW-Gewerkschaftsspiegel, 3. März 2017

Verhandlungsmanagement Mehr Professionalität – weniger EskalationArrow

In einem Tarifkonflikt können durch gutes Verhandeln effiziente Lösungen gefunden werden, die das Arbeitskampfrisiko verringern. Dies verlangt aber eine Professionalisierung des Verhandlungsmanagements. mehr

IW-Gewerkschaftsspiegel, 3. März 2017

Mediation Lohnendes Investment Arrow

Eine Mediator verbessert den Verhandlungsprozess in Tarifverhandlungen. Dadurch können sich die Tarifparteien stärker auf die inhaltlichen Aspekte konzentrieren. So steigert eine Mediation die Einigungschancen. mehr