Die Deutsche Lufthansa leidet wohl wie kein anderes deutsches Unternehmen unter der Rivalität verschiedener Gewerkschaften im eigenen Haus. Die Airline steht deshalb regelmäßig im Zentrum von Tarifkonflikten, die sie nicht nur viel Geld kosten, sondern auch der Wettbewerbsfähigkeit erheblich schaden. Außerdem treffen die Streiks immer viele unbeteiligte Dritte.

Ein Vergleich der Konfliktintensität von Tarifverhandlungen zeigt (Tabelle): Wo mehrere Gewerkschaften im Wettbewerb stehen, eskalieren Tarifverhandlungen häufiger als in Branchen, in denen eine Branchengewerkschaft für alle Berufsgruppen verhandelt. In der Luftfahrt ist die Konfliktintensität deshalb mehr als eineinhalbmal so hoch wie im Öffentlichen Dienst oder in den Metall- und Elektro-Industrie.

Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag eigentlich vereinbart, der Streikfreude von Berufsgewerkschaften wie der Vereinigung Cockpit Schranken zu setzen. Bislang lässt die Regierung entsprechende Initiativen allerdings vermissen – wie viele Reisende momentan am eigenen Leib erfahren müssen.

Konfliktintensität nach Wirtschaftszweigen in Punkten

Untersuchungsbasis: 123 Tarifkonflikte zwischen 2000 und 2013. Die Konfliktintensität misst anhand einer Eskalationspyramide, wie konfliktintensiv eine Tarifauseinandersetzung verläuft. Dabei werden bei Erreichen bestimmter Eskalationsstufen Maluspunkte vergeben: Streikdrohung/Aussperrungsdrohung = 1 Punkt; Abbruch der Verhandlungen = 2 Punkte; Streikaufruf = 3 Punkte; Warnstreik = 4 Punkte; Scheitern und Schlichtung sowie Juristische Auseinandersetzungen = 5 Punkte; Scheitern und Urabstimmung oder Scheitern und Streikankündigung = 6 Punkte; Streik und Aussperrung = 7 Punkte. Treten die einzelnen Merkmale im Verlauf einer Tarifauseinandersetzung mehrfach auf, werden diese kumuliert.