Streikdrohung der Piloten Image
Die Lufthansa-Piloten drohen erneut mit Streik, weil sie die Gründung einer neuen Fluggesellschaft verhindern wollen. Quelle: www.gg24.de

Der Konflikt zwischen Piloten und Lufthansa zieht sich inzwischen über mindestens 20 offizielle Verhandlungsrunden hin. Alles begann im April 2012 mit einer Forderung nach 5,2 Prozent mehr Gehalt. Ein Jahr später ist nicht nur eine weitere Lohnforderung von 4,6 Prozent hinzugekommen: Verhandelt wird seit Herbst 2013 auch über die Übergangsversorgung.

Zwischenzeitlich ist der Tarifkonflikt mehrfach bis zum Streik eskaliert. Summiert man alle in Tarifverhandlungen üblichen Eskalationsstufen auf – neben Urabstimmung und Streik gab es allein acht Verhandlungsabbrüche und zwei juristische Auseinandersetzungen -, erreicht die Konfrontation in der Konfliktmessung des IW Kölns einen Wert von 95 Punkten. Zum Vergleich: Die GDL sammelte in ihrem letzten Konflikt mit der Deutschen Bahn lediglich 73 Punkte. Und die durchschnittliche Konfliktintensität eines Konfliktes in den zwölf vom IW analysierten Branchen liegt im Jahr 2015 bislang bei knapp 17 Punkten.

Dass die Verhandlungen zwischen Cockpit und Lufthansa nicht vom Fleck kommen, liegt allerdings keineswegs an der Komplexität der Materie. Nein, die Pilotengewerkschaft ist nicht bereit, der Gründung einer neuen Fluggesellschaft zuzustimmen, in der schlechter gezahlt wird als im Mutterkonzern. Entsprechende unternehmerische Bestrebungen zu verhindern, ist eine Herkulesaufgabe, an der zuletzt die große Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bei der Deutschen Post gescheitert ist – der vierwöchige Streik traf das Unternehmen zwar, verfehlte aber seine Wirkung: Wie geplant wird die Paketzustellung in eine neue Gesellschaft mit überwiegend geringeren Tarifniveaus ausgegliedert.

Letztlich wird sich auch die Pilotengewerkschaft der Entscheidung des Lufthansa-Managements beugen müssen. Denn so schmerzlich die Einkommenseinbußen auch sein mögen: Das Lufthansa-Management sieht sich in der unternehmerischen Verantwortung. Daran kann eine Gewerkschaft nicht rütteln. Dass diese Einsicht bei einer Spartengewerkschaft länger als bei einer Branchengewerkschaft dauert, hat allerdings einen einfachen Grund: Weil eine Branchengewerkschaft alle Beschäftigten im Blick hat, berücksichtigt sie eher die wirtschaftlichen Folgen ihres Tarifabschlusses. Eine Spartengewerkschaft spekuliert hingegen darauf, dass sich die wirtschaftlichen Folgen auf andere Berufsgruppen abwälzen lassen.

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21. Juni 2017

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Die Arbeitnehmervertretungen kommen zunehmend unter Druck. Nicht einmal mehr jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland war 2015 Mitglied in einer Gewerkschaft. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. mehr auf iwd.de

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