Der Bundesgesundheitsminister hat angekündigt, den Pflegebedürftigkeitsbegriff zu reformieren und Leistungsverbesserungen bei den Pflegestufen einzuführen. Vor allem soll der Pflegebedarf bei demenziellen Erkrankungen besser berücksichtigt werden. Durch diese Pläne droht die Zahl der Pflegefälle aus dem Ruder zu laufen. Denn schon die Bevölkerungsalterung sorgt für einen deutlichen Anstieg: Waren 2011 rund 2,5 Millionen Menschen pflegebedürftig, rechnet das Statistische Bundesamt für das Jahr 2030 mit 3 bis 3,4 Millionen Pflegefällen.

Diese Zahlen basieren jedoch auf der heutigen Definition von Pflegebedürftigkeit. Sie sind also zu niedrig gegriffen, falls aufgrund des geplanten neuen, erweiterten Pflegebedürftigkeitsbegriffs mehr Menschen Leistungen der Pflegekasse in Anspruch nehmen können. So waren laut Barmer GEK Pflegereport 2009 etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung von Demenz betroffen, 2030 werden es bereits 2,3 Prozent sein.

Bleiben alle anderen Rahmenbedingungen unverändert, dann kosten die zusätzlichen Pflegefälle eine Menge zusätzliches Geld. Finanziert werden soll die Reform über eine Erhöhung der Beitragssätze – plus 0,3 Prozentpunkte ab 2015 und nochmals plus 0,2 Prozentpunkte ab 2017. Bis dahin hat die demografische Entwicklung aber noch gar nicht richtig zugeschlagen, denn die geburtenstarken Jahrgänge sind noch zu jung, um dann schon unter einem besonders hohen Pflegefallrisiko zu leiden. Die Quittung für neue Leistungsversprechen bekommen die jungen Generationen also erst später präsentiert.

Um das zu vermeiden, sollte die Politik den Versicherten lieber reinen Wein einschenken, statt ihnen einen Rund-um-sorglos-Schutz vorzugaukeln: Das Pflegerisiko kann im Rahmen der Sozialversicherung nur zum Teil abgesichert werden und erfordert in Zukunft mehr denn je private Vorsorge.