Pflegeversicherung Image
Quelle: Miriam Dörr - Fotolia

Der Bundesgesundheitsminister hat angekündigt, den Pflegebedürftigkeitsbegriff zu reformieren und Leistungsverbesserungen bei den Pflegestufen einzuführen. Vor allem soll der Pflegebedarf bei demenziellen Erkrankungen besser berücksichtigt werden. Durch diese Pläne droht die Zahl der Pflegefälle aus dem Ruder zu laufen. Denn schon die Bevölkerungsalterung sorgt für einen deutlichen Anstieg: Waren 2011 rund 2,5 Millionen Menschen pflegebedürftig, rechnet das Statistische Bundesamt für das Jahr 2030 mit 3 bis 3,4 Millionen Pflegefällen.

Diese Zahlen basieren jedoch auf der heutigen Definition von Pflegebedürftigkeit. Sie sind also zu niedrig gegriffen, falls aufgrund des geplanten neuen, erweiterten Pflegebedürftigkeitsbegriffs mehr Menschen Leistungen der Pflegekasse in Anspruch nehmen können. So waren laut Barmer GEK Pflegereport 2009 etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung von Demenz betroffen, 2030 werden es bereits 2,3 Prozent sein.

Bleiben alle anderen Rahmenbedingungen unverändert, dann kosten die zusätzlichen Pflegefälle eine Menge zusätzliches Geld. Finanziert werden soll die Reform über eine Erhöhung der Beitragssätze – plus 0,3 Prozentpunkte ab 2015 und nochmals plus 0,2 Prozentpunkte ab 2017. Bis dahin hat die demografische Entwicklung aber noch gar nicht richtig zugeschlagen, denn die geburtenstarken Jahrgänge sind noch zu jung, um dann schon unter einem besonders hohen Pflegefallrisiko zu leiden. Die Quittung für neue Leistungsversprechen bekommen die jungen Generationen also erst später präsentiert.

Um das zu vermeiden, sollte die Politik den Versicherten lieber reinen Wein einschenken, statt ihnen einen Rund-um-sorglos-Schutz vorzugaukeln: Das Pflegerisiko kann im Rahmen der Sozialversicherung nur zum Teil abgesichert werden und erfordert in Zukunft mehr denn je private Vorsorge.

Ansprechpartner

22. Mai 2017

Holger Schäfer Soziale Dienstleistungen boomenArrow

Der deutsche Arbeitsmarkt eilt von einem Rekord zum nächsten. In den vergangenen 20 Jahren sind 3,7 Millionen neue Jobs entstanden. Ein erheblicher Teil davon geht auf die sozialen Dienstleistungen zurück. mehr auf iwd.de

Finanzierungslücke in der Kranken- und Pflegeversicherung
Pressemitteilung, 27. März 2017

Kranken- und Pflegeversicherung Große Finanzierungslücke drohtArrow

Der demografische Wandel führt dazu, dass die Ausgaben der Kranken- und Pflegeversicherung in den nächsten Jahrzehnten steigen und die Einnahmen sinken werden. Bei gleichbleibendem Leistungsniveau ist deshalb langfristig mit einer deutlichen Erhöhung der Beitragssätze zu rechnen, wie eine IW-Studie zeigt. mehr