Mietstopp in NRW? Image
Nur wenn die Politik Anreize schafft, neu zu bauen, besteht die Chance, dass sich die Lage der Mieter verbessert. Quelle: Gina Sanders – Fotolia

Steigende Wohnungspreise und steigende Mieten rücken immer stärker in den Fokus der politischen Entscheidungsträger. Auch in NRW sind die Mieten vor allem in den Städten verhältnismäßig stark gestiegen. Denn gerade in Ballungsgebieten steigt die Nachfrage nach Wohnraum deutlich, das Wohnungsangebot hält damit meist nicht Schritt. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung die Mietpreisbremse beschlossen. Künftig dürfen in den sogenannten „angespannten Wohnungsmärkten“ die Mieten bei einer Neuvermietung maximal 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Wie hoch diese Vergleichsmiete ausfällt, ist in den kommunalen Mietspiegeln festgelegt.

Heute will die Landesregierung für NRW festlegen, welche Kommunen zu den angespannten Wohnungsmärkten zählen. Vor allem entlang der Rheinschiene und in den großen Universitätsstädten sollen Mieterhöhungen mittels Mietpreisbremse begrenzt werden.

Das Problem daran: Wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, bilden Mietspiegel jedoch nur sehr bedingt die tatsächlichen Marktmieten ab. Die Mieten werden durch die Bremse deshalb bei viel zu niedrigen Quadratmeterpreisen „eingefroren“. In letzter Konsequenz werden Vermieter ihre Wohnungen an Selbstnutzer verkaufen, weil sich das Vermieten nicht mehr lohnt. Im Ergebnis gibt es dann noch weniger Mietwohnungen als bislang.

Wie stark marktverzerrende Wirkungen aufgrund von veralteten Daten in einigen NRW-Städten derzeit ausfallen können, zeigt ein Vergleich von durchschnittlichen Bestands- und aktuellen Marktmieten (siehe Abbildung). Während in Bielefeld die durchschnittlichen Mieten bei einer Neuvermietung 4,9 Prozent über den Bestandsmieten liegen, beträgt der Unterschied in Aachen sogar über 11 Prozent. Je nach Ausgestaltung der Mietspiegel und des Wohnungsangebotes verbergen sich hinter den Differenzen beträchtliche Anteile des Wohnungsmarktes: So wären in Köln mehr als 80 Prozent der Wohnungen in einfachen Lagen von der Mietpreisbremse betroffen, obwohl die durchschnittlichen Neuvertragsmieten weniger als 10 Prozent über den Bestandsmieten liegen.

Mit großflächigen Eingriffen in den nordrhein-westfälischen Wohnungsmarkt verfehlen Landesregierung und Kommunen ihr Ziel, die Wohnungsmärkte langfristig zu entspannen. Nur wenn die Politik Anreize schafft, neu zu bauen, und dafür Bauland zur Verfügung gestellt wird, besteht die Chance, dass sich die Lage der Mieter verbessert.

Marktmieten liegen teils deutlich höher

Unterschied zwischen durchschnittlichen Bestands- und Marktmieten in ausgewählten Städten in Nordrhein-Westfalen in Prozent

Quelle: F+B, Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Ansprechpartner

Ideen für eine bessere Wohnungspolitik
Gutachten, 16. Oktober 2017

Michael Voigtländer / Ralph Henger Ideen für eine bessere WohnungspolitikArrow

Die Mieten und Preise in den Großstädten steigen stetig weiter und belasten zunehmend die Haushalte. Ursächlich hierfür ist ein starker Zuzug in die Städte und eine zu geringe Bautätigkeit. Um den Markt wieder zu entspannen, bedarf es daher einer deutlichen Ausweitung der Bautätigkeit, etwa über die Erschließung neuer Stadtviertel. Allerdings braucht dies Zeit, weshalb alternative Konzepte benötigt werden. mehr

Wohngeld
IW-Nachricht, 5. Oktober 2017

Ralph Henger / Judith Niehues Das Wohngeld muss zukunftsfest werden Arrow

Nach der Erhöhung des Wohngeldes ist die Zahl der Wohngeldempfänger zuletzt deutlich angestiegen. Das hat das Statistische Bundesamt heute berichtet. Die Reform im vergangenen Jahr war überfällig, reicht aber längst nicht aus. Das Wohngeld sollte weiter gestärkt werden. mehr

IW-DREF-Studentenwohnpreisindex
Gutachten, 2. Oktober 2017

Philipp Deschermeier / Björn Seipelt / Michael Voigtländer StudentenwohnpreisindexArrow

Die stetige Zunahme der Studentenzahlen sowie der Zuzug anderer Bevölkerungsgruppen aus dem In- und Ausland haben zu einer deutlichen Verschärfung der Situation am Wohnungsmarkt geführt. Die Folge sind teils rasant steigende Wohnkostenbelastungen, wie der neue Studentenwohnpreisindex des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln und der Deutschen Real Estate Funds in Kooperation mit ImmobilienScout24 zeigt. mehr