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Die Mietpreisbremse, die das Leben in Berlins Straßen erschwinglicher machen sollte, wirkt laut Medienberichten nicht. Kein Wunder, denn die zugrunde liegenden Mietspiegel haben nur wenig mit der Realität zu tun. Foto: everyOrdinary/iStock

Die Mietpreisbremse sieht vor, dass neu abgeschlossene Mietverträge die ortsübliche Vergleichsmiete nur um 10 Prozent überschreiten dürfen. Die bisherige Miete muss aber nicht abgesenkt werden. Dies dürfte ein wesentlicher Grund sein, warum die Mieten im Durchschnitt noch deutlich oberhalb dieser Grenze liegen. Denn die ortsübliche Vergleichsmiete zeigt kein realistisches Bild des Mietwohnungsmarkts: Schon 2014 konnte das IW Köln nachweisen, dass teilweise über 90 Prozent der Mieten mehr als 10 Prozent über der entsprechenden Vergleichsmiete des Mietspiegels lagen.

Das ist leicht zu erklären: Da der Mietspiegel nur alle zwei Jahre erhoben wird und auf Daten beruht, die einen Zeitraum von vier Jahren abbilden, ist es nicht verwunderlich, dass die tatsächlichen Mieten in dynamischen Märkten erheblich von den Mieten abweichen, die in den Mietspiegeln stehen.

Die Mietspiegel sind aber nicht nur veraltet, sondern auch komplex: Oftmals fällt es selbst Experten schwer, die ortsübliche Vergleichsmiete für eine bestimmte Wohnung zu identifizieren. Hinzu kommt, dass viele Mieter einfach nur froh sind, wenn sie überhaupt eine Wohnung finden können. Sie haben also kein Interesse, den Vermieter vor Gericht zu zerren, um die Miete zu reduzieren.

Der deutsche Gesetzgeber will mit der aktuell geplanten Mietrechtsnovelle die Situation sogar noch einmal verschlimmern – er will den Bezugszeitraum für den Mietspiegel auf acht Jahre erweitern. Doch statt den Zeitraum zu verlängern, sollte die Politik die Mietspiegel aktueller machen: Durch eine Auskunftspflicht der Vermieter könnte eine aktuelle und methodisch angemessene Übersicht über die tatsächlichen Mietwohnungspreise entstehen. Und dann könnte auch die Mietpreisbremse Sinn machen, um tatsächlich nur die Vermieter herauszufiltern, die es wirklich mit ihren Mietforderungen übertreiben.

Ansprechpartner

Ideen für eine bessere Wohnungspolitik
Gutachten, 16. Oktober 2017

Michael Voigtländer / Ralph Henger Ideen für eine bessere WohnungspolitikArrow

Die Mieten und Preise in den Großstädten steigen stetig weiter und belasten zunehmend die Haushalte. Ursächlich hierfür ist ein starker Zuzug in die Städte und eine zu geringe Bautätigkeit. Um den Markt wieder zu entspannen, bedarf es daher einer deutlichen Ausweitung der Bautätigkeit, etwa über die Erschließung neuer Stadtviertel. Allerdings braucht dies Zeit, weshalb alternative Konzepte benötigt werden. mehr

Wohngeld
IW-Nachricht, 5. Oktober 2017

Ralph Henger / Judith Niehues Das Wohngeld muss zukunftsfest werden Arrow

Nach der Erhöhung des Wohngeldes ist die Zahl der Wohngeldempfänger zuletzt deutlich angestiegen. Das hat das Statistische Bundesamt heute berichtet. Die Reform im vergangenen Jahr war überfällig, reicht aber längst nicht aus. Das Wohngeld sollte weiter gestärkt werden. mehr

IW-DREF-Studentenwohnpreisindex
Gutachten, 2. Oktober 2017

Philipp Deschermeier / Björn Seipelt / Michael Voigtländer StudentenwohnpreisindexArrow

Die stetige Zunahme der Studentenzahlen sowie der Zuzug anderer Bevölkerungsgruppen aus dem In- und Ausland haben zu einer deutlichen Verschärfung der Situation am Wohnungsmarkt geführt. Die Folge sind teils rasant steigende Wohnkostenbelastungen, wie der neue Studentenwohnpreisindex des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln und der Deutschen Real Estate Funds in Kooperation mit ImmobilienScout24 zeigt. mehr