Allein zwischen Ende 2011 und Ende 2015 ist die Zahl der Einwohner in Deutschland um mehr als 1,8 Millionen gestiegen. Dieser Trend dürfte sich in etwas abgeschwächter Form fortsetzen. Folglich müssten hierzulande auch mehr Wohnungen gebaut werden. Das gilt insbesondere für die Großstädte, wo es aufgrund der Arbeitsmarktperspektiven und Ausbildungsmöglichkeiten die meisten Menschen hinzieht. Nach Berechnungen des IW müssten pro Jahr etwa 380.000 Wohnungen gebaut werden, um den demografisch bedingten Bedarf zu decken, fast 130.000 Wohnungen davon allein in den 20 größten Städten.

Schaut man auf die Baugenehmigungen, könnte das fast gelingen: Im vergangenen Jahr wurde der Bau von 375.000 Wohnungen genehmigt. Allerdings werden immer weniger der genehmigten Wohnungen auch tatsächlich gebaut – vor allem in den Großstädten klaffen Soll und Haben auseinander.

Ein Beispiel: In Berlin wurden 2015 über 22.000 Wohnungen genehmigt, aber weniger als 11.000 Wohnungen gebaut. Zwar dauert es einige Zeit, bis genehmigte Wohnungen gebaut und fertiggestellt sind. Das wesentliche Problem aber ist, dass sich das Warten für die Baulandeigentümer derzeit lohnt. In vielen Städten steigen die Grundstückspreise um bis zu 15 Prozent pro Jahr. Viele Investoren wollen davon profitieren und versuchen Baugenehmigungen für ihre Grundstücke zu erhalten, um diese dann mit Gewinn weiterzuverkaufen. Dadurch wird der Wohnungsbau ausgebremst.

Lösen ließe sich dieses Problem, indem Baugenehmigungen zeitlich befristet werden und zum Beispiel nach ein oder zwei Jahren verfallen, wenn mit dem Bau nicht begonnen wird. Dann würde sich die Spekulation nicht mehr lohnen. Noch wichtiger ist es allerdings, dass die Städte und Kommunen endlich mehr Bauland ausweisen. Dann würden die Grundstückspreise erst gar nicht so schnell steigen. Und nicht zuletzt müssen die Bauämter ihr Personal aufstocken, denn für die Bearbeitung der Bauanträge steht nicht ausreichend Personal zur Verfügung.