Um 15:21 Uhr zog Aleksander Čeferin, Präsident des europäischen Fußballverbands UEFA, die Karte aus seinem Umschlag und verkündete die Entscheidung: Deutschland trägt die Fußball-Europameisterschaft 2024 aus. Der Deutsche Fußball-Bund feiert die Entscheidung und freut sich auf ein neues Sommermärchen. Aus wirtschaftlicher Perspektive sind solche sportlichen Großereignisse allerdings kein Konjunkturfeuerwerk – das war schon bei der Weltmeisterschaft 2006 so.

Zwar feiern in den EM-Wochen die Fans daheim vor dem Fernseher und beim Public Viewing, sie essen und trinken und kaufen Souvenirs. Das kurbelt die Produktion an, kurzfristig entstehen auch zusätzliche Jobs. Allerdings treten die Verbraucher dafür an anderer Stelle kürzer. Unterm Strich geben sie ihr Geld also lediglich anders aus. Auch Fußballgäste von außerhalb befeuern die Wirtschaft nicht spürbar, weil sie zum Teil andere Touristen verdrängen: Wer kein Hotelzimmer buchen kann, bleibt fern. Und dann wären da noch die Stadien und Straßen in den Spielstädten, die Bund, Länder und Kommunen auf Vordermann bringen wollen – im Gegenzug bleibt dann aber manche Schule möglicherweise marode. Neue Stadien braucht Deutschland nicht.

Grundsätzlich geht es bei der EM nicht ums Geld, sondern vor allem um Sport und Spaß. Die EM ist eine tolle Chance für Deutschland, sich wie 2006 als offenes und fröhliches Land zu präsentieren. Sportliche Großereignisse sind vor allem gut für das Image eines Landes, sie fördern die Stimmung und das Miteinander. Neben dieser emotionalen Rendite gibt es für die deutsche Wirtschaft auch eine positive Außenwirkung, die sich jedoch nur schwer messen und beziffern lässt. Das gilt besonders für deutsche Unternehmen, deren Waren und Dienstleistungen international bekannter werden. Gleichzeitig poliert der Wirtschaftsstandort Deutschland seine Attraktivität für Investoren und Arbeitskräfte aus dem Ausland auf.