Mehr Studenten als erwartet Image
Hochschulen Quelle: kolett – Fotolia

Die Gründe für die neue Prognose zu den Studienanfängerzahlen liegen auf der Hand: mehr Abiturienten, von denen einen größerer Anteil studieren will, sowie ein Plus an Studienanfängern aus dem Ausland und immer mehr Studienanfänger, die sich zuvor beruflich qualifiziert haben. Das allgemein gestiegene Studieninteresse ist zu begrüßen, vor allem im Bereich der sogenannten MINT-Fächer, deren Absolventenzahlen schon lange zu gering sind. Die gestiegene Nachfrage ausländischer Bewerber ist ebenfalls positiv zu bewerten, denn mit der Zuwanderung über ein Hochschulstudium gelingt die Integration in den Arbeitsmarkt laut Studien besonders gut. Und auch die gestiegene Zahl der beruflich Qualifizierten, die studieren wollen, ist ein erfreulicher Beleg für mehr Offenheit zwischen beruflichem und akademischem Bildungssystem.

Für die öffentlichen Kassen ist der erfreuliche Drang nach höherer Bildung allerdings eine Mehrbelastung. Um der anhaltend hohen Nachfrage gerecht zu werden, haben Bund und Länder 2007 deshalb den Hochschulpakt ins Leben gerufen: Bis 2020 wollen sie sich die Kosten für jeden Studienanfänger teilen, der zusätzlich zur Anfängerzahl im Referenzjahr 2005 neu an die Hochschule kommt. 340.000 Studienanfänger wurden so in den ersten Jahren der Planungsphase bis 2011 zusätzlich finanziert, für die Zeit bis 2015 ist für insgesamt 624.000 zusätzliche Studienanfänger Geld eingeplant.

Insgesamt 10 Milliarden Euro hat der Bund den Ländern seit 2007 für die zusätzlichen Studienplätze zur Verfügung gestellt. Jetzt steht die Finanzplanung für die dritte Hochschulpaktrunde bis 2020 an – dafür soll ein Teil der im Koalitionsvertrag für Bildung und Forschung vorgesehenen 9 Milliarden Euro verwendet werden. Auf der Basis der neuen Prognose sind bis 2020 allerdings rund 2 Milliarden Euro an zusätzlichen Bundesmitteln erforderlich.

Darüber hinaus ist der Finanzierungsbedarf für Masterstudienplätze nicht realistisch berechnet: Die Bildungspolitik geht davon aus, dass jeder zweite Bachelor die Hochschule verlässt. Tatsächlich studieren aber knapp drei Viertel aller Bachelor weiter oder haben dies fest vor. Das ist verständlich, denn das direkt angeschlossene Masterstudium ist kostenfrei. Für die berufsbegleitende Variante fallen dagegen auch an staatlichen Hochschulen im Schnitt gut 9.000 Euro Gebühren an.

Gäbe es indes für alle Studiengänge Studiengebühren, würde dies einerseits den Anreiz für ein direktes Weiterstudieren senken. Andererseits könnten so die Kosten für das deutlich ausgeweitete Studienangebot besser abgefedert werden. Für die Hochschulen entstünden außerdem Spielräume, um die Studienqualität zu verbessern. Und nicht zuletzt würden die ausländischen Studenten, die nach dem Abschluss nicht in Deutschland bleiben, um hier zu arbeiten und Steuern zu zahlen, so zumindest einen Beitrag zur Finanzierung der Hochschulen leisten.

Ansprechpartner

MINT-Herbstreport 2017
Gutachten, 16. November 2017

Christina Anger / Sarah Berger / Oliver Koppel / Axel Plünnecke MINT-Herbstreport 2017Arrow

Erfolgreiche Innovationspolitik ist in erster Linie gleichbedeutend mit einer erfolgreichen Fachkräftesicherungspolitik, konkret im Bereich der besonders innovationsrelevanten MINT-Qualifikationen. Hier hat die Arbeitskräftelücke einen neuen Allzeit-Höchststand erreicht und lag Ende September 2017 bei 290.900 Personen, 42,9 Prozent höher als im Vorjahr. mehr

Gutachten, 26. Oktober 2017

Regina Flake / Lydia Malin / Paula Risius Ausbildung oder Studium? Arrow

Unternehmen können immer mehr Ausbildungsstellen nicht besetzen. Dies birgt die Gefahr, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen mittelfristig ihre Ausbildungsaktivitäten zurückfahren, was gravierende Auswirkungen auf die Fachkräftesituation auf dem Arbeitsmarkt hätte. mehr

IW-Trends, 26. Oktober 2017

Regina Flake / Lydia Malin / Paula Risius Bildungsentscheidung von Abiturienten für Ausbildung oder StudiumArrow

Der Anteil der Abiturienten unter den Schulabgängern steigt seit vielen Jahren an. Inzwischen erwirbt mehr als die Hälfte eines Jahrgangs die Hochschulzugangsberechtigung und die Anzahl der Studienanfänger hat sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Gleichzeitig brechen 29 Prozent ihr Studium vorzeitig ab. Das zeigt, dass die Entscheidung für ein Studium nicht für alle Studienanfänger optimal ist. mehr