Eine der größten Schwachstellen der europäischen Währungsunion ist der Mangel an sicheren Wertpapieren. Dies löste in der letzten Staatsschuldenkrise eine Flucht in die Bundesanleihen aus, die von Investoren als sicherer Hafen angesehen werden. Durch den starken Kapitalabzug in den Krisenländern gerieten deren Banken jedoch unter massiven Druck. Mit den Sovereign Bond-Backed Securities (SBBS) sollen nun künstliche Anleihen mit drei Risikoklassen geschaffen werden: von ausfallsicher bis hoch-riskant. Die SBBS basieren auf Staatsanleihen der Euro-Mitgliedsländer – das heißt, eine Zweckgesellschaft kauft die Staatsanleihen auf und finanziert sie durch Ausgabe der SBBS. Im Falle des Zahlungsausfalls eines Landes werden zuerst die Käufer der ausfallsicheren Tranche bedient, während die Käufer der anderen beiden Tranchen die Verluste tragen.

Gerade die hochriskante Klasse der Junior-Bonds stellt ein Problem dar. Die Junior-Bonds sollen risikofreudige Investoren außerhalb des Bankensektors ansprechen, deren Schieflage im Fall einer Staatsschuldenkrise weniger bedrohlich wäre. Dabei wird allerdings übersehen, dass diese Investoren im Krisenfall ihre Anleihen abstoßen werden, so dass die Risikoprämien für Junior-Bonds in die Höhe schießen. Dadurch könnten auch die Banken, die die ausfallsichere Senior-Tranche halten, nervös werden und das Vertrauen in die Senior-Tranche verlieren. Das könnte das gesamte SBBS-Konzept gefährden: Denn wenn keine Junior-Bonds mehr am Primärmarkt gekauft werden, würde der gesamte Markt für Sovereign Bond-Backed Securities zusammenbrechen.

Da dieser Markt aber systemrelevant ist, müsste im Krisenfall wieder die EZB als Käufer letzter Instanz einspringen. Sie müsste die riskanten Junior-Bonds am Primärmarkt kaufen, um den reibungslosen Ablauf des SBBS-Marktes zu garantieren. Bei möglichen Verlusten käme es dann zur Vergemeinschaftung von Staatsschulden durch die Hintertür.