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Fiskalisch erfüllte die neue Luftverkehrsabgabe im ersten Jahr nach der Einführung mit 905 Millionen Euro nicht die hohen Erwartungen des Finanzministers – er hatte mit 1 Milliarde Euro kalkuliert. Ein Hauptgrund dafür, dass 100 Millionen Euro zu wenig in die Kasse kamen, war der Rückzug der Billigfluggesellschaften von Regional-Airports wie Hahn in der Nähe von Frankfurt/Main und Weeze am Niederrhein. Bei Letzterem hat sich die deutsche Abgabe als Konjunkturprogramm für den nahegelegenen niederländischen Airport Maastricht erwiesen, wo der Verkehr seit Einführung der deutschen Steuer um 50 Prozent zulegte.

Die Verlagerung von Verkehr ins Ausland ist denn auch der Hauptgrund, dass die Steuer ihre ökologische Lenkungsfunktion verfehlt, denn lange Anfahrtswege mit dem Auto erhöhen den CO2-Ausstoß, statt ihn zu senken. In Deutschland hingegen wird die Entwicklung strukturschwacher Regionen behindert, in denen die jungen Low-Cost-Airports bis 2010 ein Jobmotor waren. In den Kommunen fehlt mithin das Geld, das Minister Schäuble einnimmt.

Und der Schaden geht über die Regionalflughäfen und ihr Umland weit hinaus. Die Steuer trifft aufgrund ihrer Konstruktion die Nummer 2 im deutschen Luftverkehr, Air Berlin, weit härter als den Platzhirsch Lufthansa. Denn dieser verdient sein Geld mit dem steuerfreien Umsteigeverkehr – z.B. Neu Delhi–Frankfurt–New York – und mit der ebenfalls steuerbefreiten Fracht. Wie hart Air Berlin die Abgabe trifft, zeigt sich daran, dass der Carrier 2011 trotz Sparanstrengungen wieder rote Zahlen schrieb, deren Höhe in etwa der entrichteten Steuer entsprach. Gerade bei der preissensiblen Economy-Kundschaft kann die Steuer nicht voll an die Fluggäste durchgereicht werden. Sollte es dem Finanzminister gelingen, durch seine Sonderabgabe die Nummer 2 auf dem deutschen Luftverkehrsmarkt in die Knie zu zwingen, hätte er dem Wettbewerb hierzulande einen Schlag versetzt.

Ansprechpartner

15. September 2017

Klaus-Heiner Röhl Schicksalstage für den deutschen LuftverkehrArrow

Nach der Bundestagswahl will der Gläubigerausschuss entscheiden, an wen Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin nach ihrem Insolvenzantrag verkauft wird. Der Markt ist im Umbruch – dank der Liberalisierung des europäischen Luftverkehrs wird es aber wohl auch dann keine großen Preissprünge auf innerdeutschen Flügen geben, wenn die Lufthansa den Zuschlag bekommt. mehr auf iwd.de

Air Berlin
IW-Nachricht, 15. September 2017

Klaus-Heiner Röhl Air Berlin: Wettbewerb muss erhalten bleibenArrow

Am Freitagnachmittag endete die Bieterfrist für Übernahmeinteressenten der insolventen Airline Air Berlin. Angesichts der Situation der seit Jahren defizitären Fluggesellschaft und der Strukturen im Luftverkehr dürfte die Anzahl ernsthafter Interessenten überschaubar sein. Das sollte aber nicht zu weniger Wettbewerb am Himmel führen. mehr

Air Berlin: Eine Frage der Moral
IW-Nachricht, 13. September 2017

Hagen Lesch Air Berlin: Eine Frage der MoralArrow

Die Krankmeldungen von Piloten bei der Fluggesellschaft Air Berlin setzen sich fort. Dadurch schaden sie nicht nur dem Unternehmen und unbeteiligten Kunden der Fluggesellschaft, sondern auch sich selbst. Denn für potenzielle künftige Arbeitgeber ist das ein fatales Signal. mehr