Wenig Weitblick bei der Bundesbank Image
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Jede Lohnpolitik, bei der die Löhne schneller als die Produktivität steigen, treibt die Preise und damit die Inflation. Seit 2005 stiegen die Bruttostundenlöhne in Deutschland um 22,6 Prozent, die Produktivität hingegen nur um 8,2 Prozent. Die deutsche Lohnpolitik beugt also seit Jahren deflationären Tendenzen vor.

Wer jetzt dennoch eine größere Lohndynamik fordert, muss sich bewusst sein, dass höhere Löhne zwar zu höheren Preisen führen können, aber nicht müssen. Denn gerade in einem Umfeld mit verhaltenen Wachstumsaussichten und wachsenden Risiken ist nicht zu erwarten, dass die Unternehmen steigende Löhne einfach auf die Preise überwälzen können. Doch wenn keine entsprechende Überwälzung möglich ist, gehen steigende Lohnkosten vor allem zu Lasten der Unternehmensgewinne und damit der Investitionen. Dass Investitionen ausbleiben, kostet mittelfristig Wachstum und damit die Lohnsteigerungen von Morgen.

Und noch etwas anderes sollten Bundesbank und Europäische Zentralbank bei ihren Lohnforderungen nicht außer Acht lassen: In den vergangenen 15 Jahren hat es regelmäßig Phasen mit geringen Inflationsraten gegeben. Doch trotz maßvoller Lohnabschlüsse in Deutschland gab es keine Deflation.

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Adam Giza Tarifbindung: Jeder Zweite bekommt TarifentgeltArrow

Zur Schätzung des Anteils tarifgebundener Arbeitnehmer in Deutschland wurde bisher auf das IAB-Betriebspanel und die Verdienststrukturerhebung zurückgegriffen. Mit dem Sozio-oekonomischen Panel steht nun eine dritte Datenbasis zur Verfügung. Danach wurde 2015 knapp jeder zweite Arbeitnehmer nach einem Tarifvertrag bezahlt. mehr

2. Juni 2017

Hagen Lesch Mindestlohn bringt Tarifbindung in GefahrArrow

Mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns 2015 sind in vielen Branchen die Tariflöhne verdrängt und die Lohnabstände zwischen gelernten und ungelernten Tätigkeiten verringert worden. Das könnte die Tarifbindung schwächen. mehr auf iwd.de

31. Mai 2017

Michael Grömling 50 Jahre magisches ViereckArrow

Das vor 50 Jahren erlassene Stabilitätsgesetz hat vier ökonomische Ziele in den Fokus gerückt, die von der Wirtschaftspolitik anzustreben sind. Doch wie gut ist es Deutschland seither wirklich gelungen, niedrige Arbeitslosigkeit, geringe Inflation, außenwirtschaftliches Gleichgewicht und stetiges Wirtschaftswachstum in Einklang zu bringen? Das magische Viereck im Überblick. mehr auf iwd.de