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Mit dem Entgeltgleichheitsgesetz will die Regierung unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen abschaffen – doch es ändert nichts an den Ursachen der Lohnlücke. Foto: Yuri_Acurs/iStock

Der Vorschlag des Koalitionsausschusses sieht offenbar vor, dass der sogenannte Auskunftsanspruch erst für Unternehmen ab einer Betriebsgröße von 200 Beschäftigten gelten soll. Damit hätten Mitarbeiterinnen das Recht, feststellen zu lassen, ob sie schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen. Für tarifgebundene und mitbestimmte Unternehmen sollen gesonderte Regelungen gelten.

Offenbar sieht die Koalition ein, dass Tarifverträge nicht nach Geschlecht unterscheiden. Das ist gut. Allerdings scheinen die Politiker davon auszugehen, dass Unternehmen Frauen und Männer bei der Lohnfindung flächendeckend diskriminieren. Dass das nicht stimmt, hat das IW widerlegt: Die durchschnittlichen Entgeltunterschiede von gut 21 Prozent für das Jahr 2015 können nahezu vollständig durch systematisch unterschiedliche Merkmale in den Berufsbiografien von Frauen und Männern erklärt werden. Sie sind keine Folge einer unsachgemäßen Ungleichbehandlung in den Betrieben.

Das geplante Gesetzesvorhaben kann an diesen strukturellen Nachteilen nichts ändern und leistet keinen Beitrag dazu, die Lohnlücke zu schließen. Das zeigen auch die Erfahrungen in anderen Ländern mit ähnlichen Gesetzen. Es bleibt die gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe, die stereotype Berufswahl von Frauen und Männern aufzubrechen. Vorrangig sollte sich die Politik aber darum kümmern, flächendeckend eine geeignete Kinderbetreuung zu schaffen. Denn das ist die Grundlage dafür, dass Eltern ihre Erwerbspausen verkürzen und seltener in Teilzeit arbeiten.

Ansprechpartner

8. März 2017

Frauenquote Dieser Weg wird steinig und schwerArrow

Seit Januar 2016 müssen in Deutschland börsennotierte Unternehmen freie Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzen, bis ihr Anteil in diesem Gremium 30 Prozent ausmacht. Darüber hinaus gilt für die Privatwirtschaft und den öffentlichen Dienst das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Männern und Frauen an Führungspositionen – mit dem Ziel der Geschlechterparität. In den vergangenen beiden Jahren haben es zwar mehr Frauen in Aufsichtsräte, Vorstände und Leitungsstellen geschafft, aber bis hier ein Gleichgewicht erreicht ist, dürften noch einige Jahrzehnte vergehen. mehr auf iwd.de

IW-Kurzbericht, 8. März 2017

Wido Geis Töchter arbeiten weniger im Haushalt mitArrow

Mädchen im Teenageralter verbringen heute weniger Zeit mit Hausarbeit als noch vor zehn Jahren. Lag der Anteil der 15- bis 17-Jährigen, die im Schnitt über 45 Minuten am Tag mithelfen, zu Beginn des neuen Jahrtausends bei 68,2 Prozent, so sind es heute nur noch 45,7 Prozent. Damit haben die geschlechterspezifischen Rollenunterschiede der Kinder in der Familie deutlich abgenommen. mehr

Arbeitszeitwünsche von Frauen und Männern
IW-Kurzbericht, 17. Januar 2017

Holger Schäfer / Jörg Schmidt Arbeitszeitwünsche von Frauen und MännernArrow

Frauen und Männer haben unterschiedliche Präferenzen hinsichtlich des Umfangs ihrer Arbeitszeit. Eine Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) verdeutlicht, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine zentrale Ursache für divergierende Arbeitszeitwünsche darstellt. Allerdings unterscheiden sich die Wunscharbeitszeiten auch bei Frauen und Männern ohne Betreuungspflichten noch deutlich. mehr