Haupttreiber der Arbeitskosten sind die Löhne. Die Lohndynamik hat sich in Deutschland seit der Wirtschafts- und Finanzkrise beschleunigt: Seit 2008 stiegen die Tarifverdienste je Stunde um knapp 17 und die tatsächlich gezahlten Bruttoverdienste sogar um fast 21 Prozent. Dem stand ein Produktivitätsplus von lediglich 4,3 Prozent gegenüber (siehe Grafik). Damit haben sich die Lohnsteigerungen von der Produktivitätsentwicklung abgekoppelt.

Im selben Zeitraum stiegen die Verbraucherpreise um 8,4 Prozent. Real betrachtet kam bei den Beschäftigten also ein deutliches Plus im Portemonnaie an. Dies stützt – in Verbindung mit der guten Beschäftigungsentwicklung – den privaten Konsum, der inzwischen neben dem Außenbeitrag eine tragende Säule des deutschen Wachstums ist.

Noch haben die steigenden Lohnstückkosten keine sichtbaren negativen Spuren auf dem deutschen Arbeitsmarkt hinterlassen. Doch langfristig wirft es Probleme auf, wenn sich die Lohnentwicklung zu stark von der Produktivitätsdynamik abkoppelt: Die Unternehmen werden dann gezwungen sein, ihre Preise anzuheben. Das schwächt die preisliche Wettbewerbsfähigkeit und dämpft die Nachfrage nach deutschen Produkten. Wo dagegen keine Preisüberwälzung möglich ist, sinken die Gewinne. Das wiederum führt dazu, dass die Exportindustrie weniger investiert.

Die Gewerkschaften – und das ihnen nahestehende IMK – sind demnach gut beraten, in den kommenden Tarifverhandlungen wieder stärker auf die Kostenentwicklung zu schauen. Denn die positive Lage am Arbeitsmarkt ist auch eine Folge der beschäftigungsorientierten Lohnpolitik zwischen 1995 und 2008.

Löhne und Produktivität haben sich entkoppelt

Index; 2008=100

2015: 1. Halbjahr; Tariflöhne und Bruttolöhne je Stunde; Quellen: Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt; Institut der deutschen Wirtschaft Köln