Lebensleistungsrente Image
Quelle: Fotolia

Wer Zeit seines Arbeitslebens in die Rentenkasse eingezahlt hat, der soll – so die Vorstellung unter anderem von Bundesarbeitsministerin von der Leyen – im Alter auch eine Rente über dem Grundsicherungsniveau bekommen. Da sind sich Koalition und Opposition einig.

Gestritten wird lediglich über das „Wie“, also über die Voraussetzungen für eine Rentenaufstockung und deren Finanzierung.

Das Konzept der Lebensleistungsrente hat allerdings mehrere entscheidende Denkfehler:

  • Die Rente soll vor Altersarmut schützen. Aber eine niedrige gesetzliche Rente führt nicht unbedingt zu Altersarmut. So kann zum Beispiel jemand, der überwiegend in Teilzeit beschäftigt war und deshalb eine geringe Rente erhält, über den Ehegatten mit abgesichert sein. Ohne Prüfung der Haushaltseinkommen und Vermögen drohen daher bei einer Aufwertung niedriger Rentenansprüche unerwünschte Mitnahmeeffekte.
  • Es ist nicht die Hauptaufgabe der gesetzlichen Rentenversicherung, Altersarmut zu vermeiden. Das gesetzliche System folgt dem Leistungsprinzip: Wer im Vergleich zu anderen Versicherten viel eingezahlt hat, der erhält auch eine höhere Rente. Bei Bedürftigkeit hilft hingegen die Grundsicherung. Sie soll die Menschenwürde materiell sichern. Menschenwürde lässt sich aber nicht nach Lebensleistung oder anderen Kriterien differenzieren. Genau das würde aber eine „Lebensleistungs-“ oder „Solidarrente“ tun.

Die Diskussion verschleiert zudem die einfache Tatsache, dass vor allem jüngere Menschen vermehrt privat vorsorgen müssen. Dazu müssen sie erfolgreich in das Arbeitsleben integriert werden – so lässt sich Armut am besten vermeiden.

Armutsgefährdung
IW-Nachricht, 8. November 2017

Christoph Schröder Armutsgefährdung: In Deutschland unterdurchschnittlichArrow

Nach den neusten Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat ist in Deutschland fast jeder Fünfte (19,7 Prozent) von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Dieser scheinbar hohe Wert ergibt sich aber vor allem durch die sehr weit gefasste Definition. mehr

27. Oktober 2017

Kommentar von Judith Niehues „Etablierte Meinungen werden kaum hinterfragt“Arrow

„Die unteren Einkommensgruppen profitieren kaum von der guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland“ – dieser viel zitierte Befund mag der Mehrheitsmeinung entsprechen und sie mehr und mehr stärken. Doch Plausibilitätschecks hält das alarmierende Szenario kaum stand, mahnt Judith Niehues, Leiterin der Forschungsgruppe Mikrodaten und Methodenentwicklung im IW Köln. mehr auf iwd.de

IW-Trends, 26. Oktober 2017

Judith Niehues Einkommensentwicklung, Ungleichheit und ArmutArrow

Die Ungleichheits- und Armutsdebatte nimmt in der aktuellen medialen Berichterstattung viel Raum ein. Die Datensätze und Plausibilitätstests der Studien, über die berichtet wird, sollten jedoch kritisch hinterfragt werden. mehr