Solidarität ist keine Einbahnstraße Image
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Seit Juli 2005 zahlen Arbeitnehmer und Rentner den Zusatzbeitrag zur Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Dagegen haben einige Ruheständler – erfolglos – geklagt. DIE LINKE rechnet jetzt vor, dass Rentner seit 2005 mehr als 7,5 Milliarden Euro zur Finanzierung des Krankengelds beigetragen hätten. Was nach Skandal riecht, entpuppt sich bei genauerem Hinschauen aber als Milchmädchenrechnung.

Es gibt nämlich keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Sonderbeitrag und dem Krankengeldanspruch. Der Beitrag dient vielmehr zur Finanzierung aller Leistungsansprüche in der GKV. So kann ja beispielsweise auch kein Mann einen niedrigeren Beitrag verlangen, weil er von den Leistungen bei Mutterschaft ausgeschlossen bleibt.

Außerdem vergessen die Wortführer, dass die Solidargemeinschaft ältere Versicherte bereits in hohem Maß unterstützt:

  • Im Jahr 2010 zahlte ein erwerbstätiges GKV-Mitglied zusammen mit dem Arbeitgeberanteil durchschnittlich 3.589 Euro an seine Krankenversicherung, nahm aber lediglich Leistungen für 2.473 Euro in Anspruch.
  • Rentner schlugen hingegen mit durchschnittlich 4.792 Euro Kosten je Mitglied zu Buche, die Beitragseinnahmen lagen indes im Schnitt nur bei 2.116 Euro.

Jeder beitragszahlende Rentner finanziert also gerade einmal 44 Prozent der von ihm verursachten Leistungsausgaben. Ruheständler vom Sonderbeitrag zu befreien hieße also, die jüngeren Beitragszahler noch stärker zu belasten.

IW policy paper
IW policy paper, 27. März 2017

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